Druckschrift 
Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
Seite
253
Einzelbild herunterladen
 

Briefe an Lessing . 1770.

253

mein lieber Freund, gehen Sie in ein Gefecht, wo man mit Schwer-tern um sich hauet und sticht, oder wo man sich mit Knütteln prü-gelt, und mit Fäusten schlägt. Aber ein Gefecht mit Sandsäcken,das nicht tödtlich scheint, und wo doch linvcrinuthet ein heimtückischerGegner den Sack öffnet, und macht, daß Sie sich sehr lange dieAugen wischen müssen, ist weder rühmlich noch angenehm.

Wissen Sie, was Saal von Ihrem BerengartnS sagt? Er sagt:Lessing hat geschworen, in allen Dingen das Widerspiel von Wiclandzu thun. Wicland schrieb erst geistliche, lind dann lustige Schriften.Lessing hat die lustigen erst geschrieben, nun will er die geistlichennack holen.

Ob jemand den dritten Theil würde lesen wollen wider den ver-ächtlichen Klotz? TaS ist das erstemal, daß Lessing fragt, ob jemandlesen würde, was er schreibt! Sie schrieben ja sonst nur für sichselbst, und bekümmerten sich nicht um die Leser, lind ob der Buch-händler drucken will? Als wenn sich das nicht von selbst verstände!Sie, mein lieber Lessing , werden sich ja nicht zu den Autoren zählen,die erst fragen, ob die Buchhändler wollen?

Scherz bey Seite! Wenn Sie den drillen Theil schreiben wollen,so melden Sie es mir, und berichten Sie mir, wo Sie ihn wollengedruckt haben. Ich zweifle, daß in Wolfcnbüttcl eine vernünftigeDruckcrcy ist. Auch weiß ich nicht, ob es anginge, die Corrccturcnjederzeit von Braunschwcig nach Wolfenbültel zu senden. So baldSie also müssen auswärts drucken lassen, so schicken Sie mir dasMannscript; ich will den Druck besorgen. Oder wollen Sie ihnbesorgen, so ist es auch gut; nur in Hamburg ist es zu theuer.

Ich wünschte am liebsten, daß Sie gar keinen Streit hätten,sondern Ihren Laokoon fortsetzten, und dramatische Stücke machten.Aber allenfalls streiten Sie noch imiiier lieber mit Klotz und Ricdcl,als über Orthodoxie und Hetercdoxic.

Sie können denken, daß ich «ufern Freund Moses wegen seinerReise nach Braunschwcig beneidet habe. Wenn ich in Berlin gewe-sen wäre, so würde mich nichts abgehalten babcn, mit ihm zu reisen.WaS hättcn wir nicht plaudern wollen! Aber das ist nun vorbey,und ich muß auf eine andere Gelegenheit warten.

Moses sagt mir, ich soll Ihnen die klein»!,'« ok ^okn Luuelaschicken. Ich habe sie vor etwa vierzehn Tagen Prof. Garvcn inLeipzig geliehen; so bald ich sie von dem zurück bekomme, sende ichsie Ihnen. Sie müssen mir aber versprechen, sie mir bald wieder zuschicken, denn ich habe sie selbst noch nicht ganz gelesen. Da ich das