Briefe an Lcssing. 1772.
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so will ich da abtreten/ weil ich mich doch nur einige Stunden auf-halten werde.
Sie werden sich über den geschwinden Entschluß wundern. Derward gestern in einer Minute gefaßt, so wie ich nur auf Aller Gesich-tern las, daß man es wünschte. Ich stellte ihnen die Gefahr vor, indie sie mich sehten, die dem Nutzen, den ich stiften könnte, gar nichtangemessen wäre; und daß gewiß aus diesem Grunde mein Bruder,der doch der größte Interessent wäre, mir die Reise nicht anmuthe, son-dern vielmehr die äußerste Ruhe und Stille wiederholt angerathen hätte.Allein sie blieben dabey, daß cS einen großen Unterschied machen würde,wenn ich mich dazu entschlösse. So Habs ich mich denn entschlossen,mit Ende dieses Monats von hier zu reisen; und nun gehet mir derKopf rund um, alle die Anstalten zu machen, die ich nöthigst machenmuß, ehe ich von hier gehe. Ich hoffe, diese sollen mich zerstreuen,um nicht so oft an den Abschied von meinen Kindern zu denken, diediesmal ganz allein bleiben, weil mein Schwager die Reise mit macht.Wenn cS kein Aufsehen machte, nähme ich die armen Kinder mit, undbrächte sie erst nach Heidelberg . So mag ich es aber nicht thun, be-sonders weil cS Herr Schubach widerräth. Der ist mein Mentor, ohneden ich in dieser Sache keinen Schritt thue. Er hat sehr oft denWunsch gethan, mit mir reisen zu können. Dann wäre ich glücklich!Die Sache wäre alsdcnn in vier Wochen zu Stande, die nun in vieroder acht Monaten kaum gecndigct wird. Ich will Gott danken, wennsichs anders findet: jetzt glaube ich wenigstens, daß ich ganz ungeschicktdazu bin, und daß meine Gegenwart Ursache ist, daß mein Schwagerdas nicht thun wird, was er anders seiner Ehre wegen hätte thun müs-sen. Er hat nun den Kopf mit seinen eignen Angelegenheiten voll,weil er im Begriff ist, ein Lotto-Comtoir zu errichten, nicht unterseinem, sondern unter eines Andern Namen, und ich glaube, daß erden Andern noch nicht hat, den er gern haben will, und doch will ernicht gern eher reisen, bis er damit zu Stande ist. — Von allem die-sem schreiben Sie ja kein Wort an Niemanden, am allerwenigsten anHerrn Sch.
Der gute Sch. wäre vorigen Sonntag beynahe gestorben, so elendwar er wieder an seinen Krämpfcn.
Die Bohnen habe ich erhalten, und auch bereits gekostet. Siesind recht gut; meine Haushaltung wird aber nun so klein, daß ich kei-ner größern Portion bedarf. Ich danke Ihnen für die Besorgung, undbitte Sie, mir die Auslagen für GcsammteS umgehend anzuzeigen.Sie werden mich verbinden, wenn Sie cS thun.