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Ihren Briefen richten. Wenn Sie mich abholen wollen, so bleibe ich,bis Sie kommen; und reisen Sie grade nach Braunschweig , so eileich, Sie da zu sehn. Ich hoffe, Sie werden vor Ihrer Abreise ausVenedig geschrieben haben, was Sie machen, und wo Sie hin reisen:Ob Ihr Weg Sie näher zu mir, oder noch weiter von mir führt.Ich wünsche das Erstere. Denn so lange Sie in Italien sind, werdeich nicht ruhig sevn. Darauf verlasse ich mich wenigstens, daß wennSie weiter gehen sollten, Sie mir wenigstens öfters schreiben werden.Sie können mir keinen größern Gefallen in der Welt thun. — DieBriefe addrcssiren Sie nur immer an K-, wenn Sie sie auch an Ba-ron Vokeltcn bevschlagcn. Denn wenn ich von hier reisen sollte, sozeige ich dem Herrn K. an, wohin er sie mir schicken soll.
Wissen Sie denn schon, daß Kl. den Durlachcr Hof verlassenhat? Er hat schriftlich vom Markgrafen Abschied genommen, unterdem Vorwand, der Abschied käme ihm zn hart an, als daß er ihnpersönlich nehmen könnte, und doch beriefen ihn dringende Ursachennach Koppcnhagcn zurück. Die Manheimer Herrn Gelehrten haltensich sehr darüber auf, daß er keinen von ihnen besucht hat, ohnerachter sich da acht Tage aufgehalten, sondern bloß mit Virtuosen umge-gangen ist. Der Pater Maver hält sich nun in Manhcim auf. Ichhabe ihn aber nicht gesprochen, weil er eben in Scliwetzingen war.Wenn Sie her kommen, besuchen wir ihn zusammen. Ich möchte Siegerne recht dringend nöthigen, mich abzuholen, wenn ich nur wüßte,daß Sie cS gerne thäten- Sie wissen, daß ich Sie nicht gerne gcnire,deswegen thun Sie, was Ihnen Vergnügen macht.
Mein hiesiger Bruder wünscht nichts sehnlicher, als Sie kennenzu lernen. Er hatte einen Wink von unsrer Freundschaft, ohne daßer es mich merken ließ, bis ich etwan zehn Tage bey ihm war, damachte er mir Vorwürfe, daß ich so gcheimnißvoll gegen ihn wäre.Er war aber auch gleich wieder zufrieden, wie ich ihm die Ursachenangab, warum ich nicht von der Sache hätte reden wollen, bis ichwüßte, wie meine Umstände ausfielen. Sie glauben nicht, welch einrechtschaffner und liebreicher Bruder das ist, und wie sehr er michliebt. Vielleicht haben wir auch noch das Vergnügen, unsern Pro-fessor zu sehn. Er war halb Willens heraus zu kommen, allein derUmstand kam dazwischen, daß Herr GaubiuS seine Professur niederlegte.Nun wollen sie ihn an die Stelle haben, und GaubiuS sähe gerne,daß er sie annehme; ihm ist aber nichts darum zu thun, er will sichalso nicht entfernen, um wo möglich sich davon loS zu machen.
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