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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
Seite
566
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Briefe an Lcsstng. 1776,

mcn Sie anderthalbmal so viel Besoldung, als Sie jetzt haben, unddas in einem Lande, in welchem man für wenig Geld gut leben kann.Wolfcnbüttcl kenne ich nicht, allein wenn es nach Braunschwcigzu rechnen wäre, so glaube ich, daß man in Heidelberg mit der Hälfteso weit käme, als in Wolfcnbüttel mit dem Ganzen. In Manhetmist es etwas theurer. Doch, wenn Sie die Stelle beym Theater an-nähmen, so wünschte ich auch, daß Sie Manheim zum Wohnplatzwählten. Nothwendig müßten Sie doch oft in Manheim seyn, ichwürde also Ihres Umgangs wenig genießen, wenn wir in Heydelberg wohnten, und das ist doch, waS ich am sehnlichsten wünsche, undwarum ich Sie zum Voraus bitte. DaS Uebrige richten Sie allesnach Ihrem Genie und Willen ein. Wie ich oft gesagt habe, ich ziehemit Ihnen ans Ende der Welt. Montag über drey Wochen daßSie den äußersten Termin nicht vergessen, sage ich Ihnen münd-lich, was ich leider! jcht nur schriftlich thun kann, daß ich Sie überalles hochschätze und liebe, und ewig seyn werde

Ihre

ganz ergebeneE. C- K-

Meine Kinder empfehlen sich Ihrer Liebe. Ob Sie den Briefmeines Bruders werden lesen können, ist die Frage. Den vomProfessor bitte ich mir zurück, weil ich ihn würklich noch nicht rechtgelesen habe.

Mein Bester! ich hoffe, es wird noch Zeit seyn, die Beylage aufder Post anzubringen. Was sagen Sie von meinem Bruder? Ist esnicht brav, daß er mir mit vergnügten Zeitungen so entgegen eilet?

Von Madame König.

Hamburg , d. 4. Sept. 1770.

Mein Lieber!

Ich bin von Herzen froh, daß ich Sie glücklich und gesund inWolfenbüttel weiß, und erkenne mit Dank, daß Sie, müde und mattvon der Reise, mir doch noch einige Zeilen geschrieben haben, obschoncS nichts geholfen; denn heute erst habe ich ihn mit dem zweyten Briefzugleich erhalten. Meine drey Briefe haben Sie doch bekommen? undsind folglich durch mich chendcr von der Manhcimer Sache unterrich-tet worden, als durch die Herrn Abgeordneten. Ich verlange mit dergrößten Ungeduld zu erfahren, zu was Sie sich cntschliessen. Gebe