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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Brief- an Lessliig, 1776.

gen Ihren Brief vom soren; daß Sie aber wiederum über das Anssen-bleiben meiner Antworten klagen, begreife ich nicht. Die Briefe müs-sen in Braunschwcig liegen bleiben, sonst müßte der/ den ich am 14teilgeschrieben habe, doch den Wten schon angelangt seyn; den vom 18tenkonnten Sie nun freylich noch nicht haben. Nun denke ich, werdenbeyde in Ihren Händen seyn; dann werden Sie auch wissen, daß ichgleichfalls an die Reise gedacht habe. Wie ich aber damals dachte,denke ich nun nicht mehr. Ich halte nunmehro für das Beste einenWagen hier zu kaufen. Denn bringen Sie einen mit, so müssen Sieja vier Pferde nehmen, da Sie sonst wohl mit zwey fortkommen. DieRoute auf den York gehet bey guter Jahreszeit, wenn der Weg tro-cken, über Haarburg, sodann durch die Masch nach dem York, der4 Meilen von Haarburg liegt. Diesem Weg ist aber gegen den e Ok-tober wohl nicht mehr zu trauen. Folglich gehen Sie von Zelle au»gerade nach Burtehudc, das eine Meile von York liegt. Die Statio-nen so Sie zu passieren haben, hat mir niemand nennen können; inZelle wird man sie aber ohne Zwcif-l wissen.

In Burtchude werde ich Sie den sechsten einholen; vielleicht nochetwa» weiter, wenn ich die wahre Route erfahre, oder wenn nicht zweyWege sind, daß ich Sie verfehlen könnte, wie mirs das letztcmal aufdem Schinkenkruge ging. ES ist wohl nicht Ihr wahrer Ernst, wennSie vorschlagen, vor mir abreisen zu wollen. WaS sollte mich wohlin Bork halten, wenn Sie nicht mehr da wären! Der confuse Empfangschreckt mich auch nicht. Ich bin nun beynahe sieben Jahre an einconfuseS Leben gewöhnt, so, daß ich eS auch noch wohl eine Weile aus-halten kann. Die Umstände bey unserer Verbindung habe ich mir soernstlich verbeten, daß ick versichert bin, cS werden keine gemacht werden.

Ich habe neuerdings den Auftrag von Madame Sch. Sie zu ver-sichern, daß durch die Gewährung ihrer Bitte, Sie sie auf Lebenslangverpflichtet hätten. Glauben Sie nur ganz sicher, daß cS sowohl ihrals sein Ernst ist. Selbst der alte Bürgermeister nimt Antheil undfreuet sich, daß seine Verwandten bey unserer Verbindung seyn sollen.Nun dächte ich, mein Lieber, wären Sie des Lesens müde; eS wäreZeit, daß ich abbräche.

Ich umarme Sie in Gedanken tausend und tausendmal, und zählesicher darauf, daß ich Morgen über vierzehn Tage Sie mündlich ver-sichern kann, daß ich von ganzem Herzen bin, und ewig seyn werde

Jhr-

ganz ergebeneK-