Briefe an Lcssiug. 1778.
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Er keimt, glaube ich, die christlichen Theologen gar zu gut aus seinenohnmächtigen Rabbtnen. Die Herren, die in der Welt um AndererSeligkeit willen besoldet und beamtet werden, gleichen sich so sehr inihrem Betragen, als sie sich in ihren dogmatischen Sätzen nicht glei-chen. Antworte ja gleich. Einigermaßen muß Dir dieses Verbot nichtunangenehm seyn. Du hast so viele theologische Ragouts zu essen be-kommen, was für wohlschmeckende Brühen auch daran waren, daß Dudes Fraßes satt seyn müßtest, wenn Du auch den verpichtcstcn Magenhättest. Ich will damit nicht sagen, daß Götze und Consorten Dichmit ihrer Uebcrvernuuft und Plumpheit zu Paaren getrieben. Gewißnicht; wenigstens nicht in den Augen derer, die nur ein Bißchen den-ken. Aber immer Einwürfe und Besorgnisse anhören müssen, die manlängst beantwortet hat, ermüdet nach meinem Gefühle. Die meistenMenschen scheinen Leute zu sey», denen vor Kurzem der Staar gesto-chen ist: das rechte Tageslicht können sie doch noch nicht vertragen.So kahl und halb-vernünftig, wie die Recensenten der Allg. D. Bibl.muß man seyn. Die Theologen sagen ja selbst: es gehört zur Theo-logie mehr, als Witz, schöner Styl und Wcltphilosophie. WaS dennmehr? Vor einigen Stunden den Staar gehabt zu haben, und nochnicht ins Licht sehen zu können? Doch, was plaudere ich! Beschließdie Sache mit einem recht lustigen Nachspiele, und was das Zuredenund Bedeuten einer hohen Obrigkeit für Wirkungen auf einen Irrgläu-bigen hat, bezeuge mit einem recht komischen Glaubcnsbekenntniß.Danke, daß sie Deine Seele voller Komödien- und Antiken-Witz nochzu rechter Zeit den Weg deS Lebens und der Ueberzeugung führen.
WaS ist überzeugender und stärker, als ein hohes Verbot bei Strafe____
um Deiner Seelen Sccligkcit willen. Amen!
Oder stifte eine neue Sekte. Reise ein halbes Jahr zu Lavatcrn,und lcruc Mienen und Gcbcrdcn, wie sie ein Sekten-Stifter habenmuß. Ich, Dein Bruder, würde doch einer Deiner vornehmsten Jün-ger werden, so ungeschickt ich auch dazu bin, und an Eifer und Au-genverdrchcn mit Gottes Hülfe Dir keine Schande machen. Aber daSBißche» Zeitliches muß man mir dabey versichern; denn sonst giebt Gott kein Gedeihen. Oder lache mit mir, daß man für aufrichtige Wahr-heit Verdruß hat, und Kanonisation, wenn man ein Dummkopf ist.
Weißt Du, daß Eberhard als Professor der Philosophie nach Hallekömmt
Noch eins! Vergiß nicht, unserm Moses den Bogen über die As-sociation der Ideen, den er Dir gegeben, zurückzuschicken. Er brauchtihn letzt zu einem gewissen Behufe. Nach dem Gesetze der Jdecn-Asso-