K10
Briefe an Lcssing. 1778.
aber in Berlin es zu thun, wird man doch nicht verbieten? Und, wennman so weit geht/ so kann man Deinen Vorsatz nicht mißbilligen.
Dein Bogen, den MoscS und Teller gelesen, hat außerordentli-chen Beyfall gefunden, und ersterer mcynt, Du hättest nur zu vielscharmützelt, und daS wahre Treffen zu lange aufgeschoben. TreibstDu aber Götzen gar zu sehr in die Enge, so befürchte ich, er wirddesperat, und schreyet Dich für einen wirklichen Katholiken aus. Beyden Verständigen will daS nichts sagen; aber bey seinen gläubigen An-hängern? —
Von Deinen Schwachen habe ich nur das erste Stück gelesen, unddarin nicht recht den polternden stolzen abgefeimten Theologe» gefun-den. Bald lobt er ja, bald will er witzeln, bald hält er gar eine Vcr-mahiumg; nur ein fleißiger Kirchengänger von ihm kann darüber nichtlachen. Er hat das Wort Unsinn so oft im Munde, daß er mir rechtarmselig an theologischen Kniffen scheint. Doch das ist er nur inSchriften. Heimlich arbeitet er desto mehr zu Deinem Verderbe».Kannst Du wohl glauben, daß er die ganze theologische Facultat inGöltiiigcn gegen Dich aufhetzt? Sogar Seniler soll auf sein Anrathcngegen Dich schreiben wollen. „Seniler!" sagen sie hier alle — En!Scmler hat eS, dünkt mich, am allcrnöthigstcn, er, der so viel in derSchrift auszustrcichen findet, und darüber bewundert wird. Wo bleibtsein Ruhm und großes Verdienst, wenn Du allgemein bekannt machst,daß die Bibel nicht der einzige wahre Grundstein der Religion ist?Götze hat auch bepm Minister von Zcdlitz arbeiten lassen, um Deinejetzigen Streitschriften hier zu verbieten; aber das ist gerade einer, derüber solche Dinge weg ist. Auch T" hat gegen Dich schreiben sol-len. Die übrigen Operationen an andern Orten (nnter der Hand,versteht sich) niag der Himmel wissen. Kurz, die Diener GotteS legendie Hände nicht in den Schoß, und haben göttlichere Waffen als dieschwache Vernunft. Die Schriftsteller sind mir die Kricgcscrklärer.Die Armee wird aufbreche», wenn cS der Herr befiehlt; und der be-fiehlt nur, wenn sie des Sieges gewiß sind. Gott gebe, daß der Schöpseund Füchse nicht zu viel werden, Deine häusliche Ruhe zu zerstöre»!DaS Jncognito beobachten sie noch besser, als die Mitarbeiter an derAllgemeinen Deutschen Bibliothek.
MoscS, Ramler und Vost grüßen Dich. Den, Erster» schicke eineAbschrift von dem Verbote, das an Dich ergangen. Er wird es fürDich brauchen.
Karl.