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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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612
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Briefe <ni Lcssing. t778.

als durch Bekanntmachung seines Werkes? Ueber Voltaire schrieen sienur: Gründe und kein Gespött! Hier sind Gründe und kein Gespött;und nun heißt es: confiscirt! verbrannt-' Auf den Sonnabend einMehrercs.

Karl.

Berlin , den ?5. August 1778.

Liebster Bruder,

MoseS nieynt, wenn Du ein Stück machtest/ worin die Tborheiten der Theologen belacht würden, so hatten sie Dich dahin, wohin sieDich haben wollten. Es ist eine Komödie, würden sie sagen; er hateine große Stärke zu svvttcn und lachen z» machen. Er ist ein Vol<tairc. Bliebest Du aber in dem Tone, wie Du in Deiner letztenAntwort gegen Götzen versprochen, so könnten sie auch mit dieser ?lu5flucht bey dem großen Haufen nicht fortkommen. Du müßtest alsoein theatralisches Stück schreiben, das auf diese Streitigkeit gar keinenBezug hätte. Daß Du auf Subscription hcrauZgicbst, dawider könntewohl niemand etwas einwenden. Wolltest Du aber den ganzen theolo-gischen Streit aufgeben, so wäre Dir Dein Sujet gar nicht abzurathen.

Aber, liebster Bruder, kann der, welcher eine Sache belacht, sienicht auch nach Gründen widerlegen? Das Belachen kann ohne Kennt-niß der Gründe nicht bestehen; und gleichwohl sollte der Bclachernicht fähig seyn, die Gründe anzugeben? Wenn man keine Gewaltbraucht, und Dich in theologischen Sachen zu schreiben sortfahrcnläßt, so setzest Du Deinen theologischen Streit fort, und machst auchDeine theologische Komödie, oder wie Du dieses Stück nennen wirst,fertig. Du bist für beyde Parthcvcn: für die, welche die Sache keineskalten gesetzten Tones mehr werth hält; und für die, in deren Augensie für so heilig gilt/ daß sie alles, was dawider nicht so geschriebenist, gar nicht lesen will. Freilich möchten die Theologe»/ nicht bloßder Christenheit, sondern aller Religionen und Sekten, die Welt bere-den, daß die erste Parthey gar keine Vernunft habe. Ich bleibe aberdabey, daß gründlicher Spott und gründliches Lachen ohne Verachtung,wenn gleich nicht mit außerordentlicher Verehrung des Standes, mehrwirkt, als der ernste, feierliche Ton, cac-lc-iis zi.indus. AuS diesemletzten Schlupfwinkel wolle» sie gar nicht. Der ernste Ton ist ih-nen gleichsam ein ungeschriebenes Attest, daß die Sache, worüber siemit den Profanen oder neuern Christe» streiten, doch verchrungSwcrthsey, da man eigentlich über den großen oder kleinen Werth der Sachestreitet. Die schriftstellerischen Folgen davon sind Ueberzeugung; die