Druckschrift 
Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
Seite
636
Einzelbild herunterladen
 

Briefe an Lessing . 1780.

beten. Sie wollen Theils die Bibliothek in Wolfenbüttcl kennen ler-nen, Theils von Dir guten Rath haben, wie sie ihre Reise am nütz-lichsten anstellen können. Versage ihnen Deine Dienste nicht, und nimmsie als meine Freunde ans. Nach ihren Briefen, gehen sie schon imMärz von Berlin ab.

Göckingk hat einen Streit mit Ebl) wegen eines Epigramms be-kommen, wie ich aus dem Deutschen Musenalmanache sehe. Du hastauch wieder Epigramme gemacht, und ich habe ein sehr boshaftes aufVoltaire darunter gefunden; die Bosheit liegt nehmlich in der Wahr-heit desselben. Götze kann es so gut auf die heilige Religion zichcu;aber warum thut er es nicht? Wodurch ist er so ganz zum Stillschwei-gen gegen Dich gebracht?

Meine Frau umarmt Dich tausendmal; sie ist mit den beiden Iun-gen gesund.

Karl.

Braunschwcig, d. 3l. May 1780.

Eben jetzt erhalte ich von der verwitweten Lcmkcrn einen Brief,worinnen sie inständig bittet, die auSgclichcncn Bücher ihres seligenManneS einzutreiben; weil der CataloguZ davon bereits in der Macheist. Die Auctio» soll bald nach Pfingsten seyn. Schicken oder brin-gen Sie mir also den Engländer, den Sie von ihm haben, mit dernächsten Gelegenheit, oder der Post. Den gedruckten CataloguS sollenSie ohnfchlbar erhalten, und dann können Sie in ein paar Monatender Besitzer dieses BuchcS seyn. Wissen Sie, wer LcmkcrS Nachfolgerwird? Sie errathen wohl den Mann nicht, ob er Ihnen gleich bekanntgcnung ist. Er ist in seinem lösten Jahre, hat fünf erwachsene Töchterund drey Söhne, und ist einer Ihrer ersten Antagonistcn. Mit einemWorte, der alte Dicector Schumann ans Hannover . Sie haben ihnalso in der Nähe, wenn Sie sich alsdcnn hauen oder schießen wollen,da Sie doch eben nicht Lust haben, mit der Feder gegen ihn zu Feldezu ziehen. Auch lege ich ein Werkchen von einem andern Gegner bey,womit ich Ihnen auch des saubern Druckes wegen, gerne ein Geschenkmache. Er hat, wie Sie sehen, aus vier kleinen Schuhen einen gro-ßen gemacht, der für alle und jede Füße gerecht seyn soll. Wolle» Sieihn auch einmal anpassen? Ich dächte, er müßte Ihnen, wie dem Rie-sen Goliath, den» Sie sind doch auch eine Art Goliath, einen garzierlichen Fuß mache». Nu» leben Sie fein wohl, und bcsnchcn unsbald. Noch eines! Machen Sie sich doch bald an den Griechen aus