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um, wo nicht eine reelle Unterstützung, doch wenigstens einstweiligeHülfe für ihn zu erbetteln. Allein man fertigt mich mit der Antwortab: daß man schon einmal 60 rthl. für ihn zusammengebracht habe,und mehr für ihn nicht thun könne. Ich erklärte hierauf, nachdemalle meine Vorstellungen und Bitten fruchtlos geblieben waren, demIhnen bekannten Vorsteher geradezu: daß ich von diesem Augcnblickc-an,ein Mitglied seiner Gesellschaft zu seyn, aufhörte, und daß ich mich wohlhüten würde, irgend einem thätigen Menschenfreunde zu gestehen, daßich jemals mit Leuten in Verbindung gewesen wäre, die eins ihrer wür-digsten und verdientesten Mitglieder unter ihren Augen könnten ver-schmachten sehen. Noch warm von diesem Auftritte, lief ich bey mei-nen profanen Freunden herum, und brachte in einem Abend gegenI5o Rthl. zusammen. —
Ich weiß nicht, ob unter Ihren lieben Kindern etwa noch eins indem Alter seyn mag, daß cS Geschmack an meinem Robinson findenkönnte. Auf allen Fall habe ich einen beygelegt.
Unser lieber Reimarus ist krank gewesen, jetzt aber meist völligwieder hergestellt. Ich selbst, meine Frau, meine drei Gehülfen undmeine zwölf herrlichen Knaben, wissen fast nicht mehr, was Krankheitist, weil wir, so weit der leidige Uebcrlauf von Besuchern und Be-schauern aus der feinen Welt — diese Hauptplage meines Lebens —cS uns erlaubt, uns immer mehr und mehr in die Gränzen der ein-fachen Natur zurückzuziehen suchen. .
Alles grüßt Sie; alles wünscht Ihnen Gesundheit, Zufriedenheitund langes Leben; und alles stimmt in die Versicherung der aufrichtig-sten Liebe und Verehrung ein, womit ich diesem eilfertigen Briefe einEnde mache.
Campe.
N- S- Seitdem ich dieses schrieb, ist der gute Schmiedlitt ge-storben. Ich hatte seinetwegen an den Herzog Ferdinand geschrieben.Mit rückkehrender Post hatte ich die gnädige Antwort: daß Se.Durchl. ihm zur Fortsetzung seines Wörterbuchs 30W Mark Hamburg.Cour, wollten auszahlen lassen. Hundert Ducatcn waren zu seinereinstweiligen Unterstützung beigelegt. Ich rannte, als brennte mir derKopf, zur Stadt, um dem armen Leidenden diese erquickende Botschaftzu überbringen, aber als ich in sein Haus trat, hörte ich zu meinemunbeschreiblichen Leidwesen, daß er die Nacht vorher — gestorben war.Ich erinnere mich nicht, daß der Himmel mir eine größere und reinereFreude jemals verdorben hat.