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7 (1839)
Entstehung
Seite
331
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Zweyter Band.

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sichtiger ist, als das scharfsichtigste seiner Betrachter. Unterzwanzig Einwürfen, die ihm diese machen, wird er sich vonneunzehn erinnern, sie während der Arbeit sich selbst gemacht,und sie auch schon sich selbst beantwortet zu haben.

Gleichwohl wird er nicht ungehalten seyn, sie auch vonandern machen zu hören: denn er hat es gern, daß man übersein Werk urtheilet; schaal oder gründlich, links oder rechts,gutartig oder hämisch, alles gilt ihm gleich; und auch dasschaalstc, linkste, hämischste Urtheil, ist ihm lieber, als kalteBewunderung. Jenes wird er auf die eine oder die andreArt in seinen Nutzen zu verwenden wissen: aber was fängt ermit dieser an? Bcrachtcn möchte er die guten ehrlichen Leutenicht gern, die ihn für so etwas ausserordcntliches halten: unddoch muß er die Achseln über sie zucken. Er ist nicht eitel,aber er ist gemeiniglich stolz, und aus Stolz möchte er zehn-mal lieber einen unverdienten Tadel, als ein unverdientes Lob,auf sich sitzen lassen.

Man wird glauben, welche Kritik ich hiermit vorbereitenwill. Wenigstens nicht bey dem Verfasser, höchstens nurbey einem oder dem andern Mitsprccher. Ich weiß nicht, woich es jüngst gedruckt lesen mußte, daß ich die Amalia meinesFreundes auf Unkosten seiner übrigen Lustspiele gelobt hätte. (°) Auf Unkosten? aber doch wenigstens der frühern ? Ich gönnees Ihnen, mein Herr, daß man niemals Ihre ältern Werke somöge tadeln können. Der Himmel bewahre Sie vor demtückischen Lobe: daß ihr letztes immer ihr bestes ist!

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Vier und siebzigstes Stück.Teil ISten Januar, 1768.

Zur Sache. Es ist vornehmlich der Eharaktcr des Ri-chards, worüber ich mir die Erklärung des Dichters wünschte.

Aristoteles würde ihn schlechterdings verworfen haben; zwarmit dem Ansehen des Aristoteles wollte ich bald fertig werden,wenn ich es nur auch mit seinen Gründen zu werden wüßte.

(°) Eben erinnere ick mick »och: in des Herrn Schmlds Zusätzen zuseiner Theorie der Poesie, S> 45.