Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
4
Einzelbild herunterladen
 

4 Pope ein Mctavhysikcr!

Dieses wollte mir schwer ein--Gleichwohl suchte ich

mich auf alle Art davon zu überzeugen. Und endlich behieltenfolgende Gedanken Platz, die ich eine

Vorlausige Untersuchung,Ob ein Dichter, als ein Dichter, ein System haben könne?

nennen will.

Hier hätte ich vielleicht Gelegenheit, eine Erklärung desWorts System voraus zu schicken. Doch ich bleibe bey derBescheidenheit, die ich schon oben verrathen habe. Es ist soungeziemend, als unnöthig, einer Versammlung von Philosophen,das ist, einer Versammlung systematischer Köpfe zu sagen, wasein System sey?

Kaum daß es sich schickte, ihr zu sagen, was ein Gedichtsey; wenn dieses Wort nicht auf so verschiedene Art erklärt wor-den wäre, und ich nicht zeigen mußte, welche ich zu meinerUntersuchung für die bequemste hielte.

Ein Gedicht ist eine vollkommene sinnliche Rede. Manweis, wie vieles die Worte vollkommen und sinnlich in sichfassen, und wie sehr diese Erklärung allen andern vorgezogenzu werden verdienet, wenn man von der Natur der Poesieweniger seicht urtheilen will.

Ein System also und eine sinnliche Rede Noch fälltder Widerspruch dieser zwey Dinge nicht deutlich genug in dieAugen. Ich werde mich auf den besondern Fall cinschlicsscnmüssen, auf welchen es eben hier ankömmt; und für das Sy-stem überhaupt, ein metaphysisches setzen.

Ein System metaphysischer Wahrheiten also, und eine sinnlicheRede; beydes in einem--Ob diese wohl einander aufreiben?

Was muß der Mctaphysikcr vor allen Dingen thun?Er muß die Worte, die er brauchen will, erklären; er muß sie niein einem andern Verstände, als in dem erklärten anwenden; ermuß sie mit keinen, dem Scheine nach gleichgültigen, verwechseln.

Welches von diesen beobachtet der Dichter? Keines. Schonder Wohlklang ist ihm eine hinlängliche Ursache, einen Ausdruckfür den andern zu wählen, und die Abwechslung synonymischerWorte ist ihm eine Schönheit.