118 Friedrichs von Logau Sinngedichte.
Sollt' ein so sonderbarer Handel anch unter uns im Schwange gehn,So wär er gut für solche Freyer, dic nur auf schnöde Münze sehn.Ich aber stimmte diesem Brauche in einer andern Absicht bey,Und mcvnte, daß allhicr das Geben weit seliger als Nehmen sey.
(66) Das trunkene Deutschland .
Weit besser stands um Deutschlands Wohl,Da Deutschland nur war gerne voll,Als nun es tricgcn, buhlen, beuten,Gclcrnct hat von fremden Leuten.
(6K) Hofsicllungen.
Es stecket Ja im linken, im rechte» Backen Nein;Ja, nein: dieß pflegt bev Hofe allzeit vermischt zu seyn.
(67) Auf den Aulus.
Aulus rühmt sich weit und ferne,Allen Leuten dien er gerne.Ja er dient, doch nimmt er Lohn,Grösser als sein Dienst, davon.
(68) Der Feind nicht zu verachten.
Mit dem Feinde soll man fechten, vor dem Fechten ihn nicht schmäh«Bicl', dic schmähten ungcfochtcn, hat man fechtend laufen sehn.
(69) Reichthum.
Wer auf übrig Reichthum tracht,Der wird weiter nichts erstreben,Als, daß noch bev seinem LebenEr ihm selbst ein täglich Sterben,Und hcrnachmals seinen Erbe»Ein erwünscht Gelächter macht.
(6V) Ein Ehrgeiziger.
Wer viel Aemter will genieße»,Muß i» sich viel Gaben wissen;Oder muß auf Vortheil gehe»;Oder muß sie nicht verstehen.