424 Friedrichs von Logau Sinngedichte.
Daß dieß, wo Götterlob genug zu schaffen hat,
Die Feder enden soll und ein vavicrncs Blatt.
Laßt ab! Hier wird dem Fleiß gar wenig Frucht gegönnctj
Klagt nichts so sehr, als dieß, daß ihr nicht klagen könnet.
(10) Wcinfreundschast.
Die Freundschaft, die der Wein gemacht,Wirkt, wie der Wein, nur Eine Nacht.
(11) Der Henker und die Eicht.
Der Henker und die Eicht verschaffen gleiche Pein,Nur er macht kleine lang, sie lange Leute klein.
(12) Aufrichtigkeit.
Ja soll Ja, und Nein soll Nein,Nein nicht Ja, Ja Nein nicht seyn.Welcher anders reden kann,Ist noch Christ, noch Biedermann.
(1Z) Wanderschaft der Leute und der Güter.
Man sagt, man liefet viel, wie daß, vor langen Jahren,
Zu Zeiten ein ganz Volk aus seinem Sitz gefahren
Und neues Land gesucht. Hinfüro wird man sage»
Was anders: wie man sah gar oft in unsern Tagen,
Vom Land' Holz, Stein, Zinn , Blcv, Gold, Silber, Kupfer, Eisen,
Fleisch, Brod, Trank, und was nicht? — hin in die Städte reisen.
(14) Saumsal.
Anfang hat das Lob vom Ende:Drum macht der, daß man ihn schände,Der in allen seinen SachenNimmer kann ein Ende machen.
(16) Hausregimcnt.
Ein jeder ist Monarch in seines Hauses Pfälen;
Es sey denn, daß sein Weib sich neben ihm will zählen.
(16) Welschland.
Das welsche Land heißt recht ein Paradies der Welt:Weil jeder, der drein kömmt, so leicht in Sünden fällt.