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Friedrichs von Logau Sinngedichte.
(1Z) Die hoffärtige und übersichtige Welt.
Die Welt acht unsrer nichts; wir achte» ihrer viel.Ein Narr liebt den, der ihn nicht wieder lieben will.
Der Spiegel ist ein Maler, im Malen ganz vollkommen;Der aber sein Gemälde stets mit sich weggenommen.
(17) Listige Anschlage.
Weißt du, was ein Anschlag heißt? —„Wenn man weislich sich befleißt,„Seinem Feind, eh crs wird innen,„Schand und Schaden anzuspinnen —Nein; es ist was bessers noch,Gilt auch noch einmal so hoch:Stehlen heißt es Küh und Pferde,Daß es niemand innen werde.
(18) I^inAua pi-üeciu'i'lt meutern.
Wenn für den Mann das Weib in einer Handlung spricht,Sagt, übereilet da den Sinn die Zunge nicht?
(19) Redlicher Leute Schelten gilt vor loser Leute Loben.
Wenn mir ein Böser gut, ein Guter böse will,So acht ich Gutes nichts, hingegen Böses viel.
(20) Redlichkeit.
Weil die Ehr und RedlichkeitWeicht und fleucht aus unsrer Zeit,Weiß ich nicht, was drinnen sehrFrommer Mann, mehr nütze wär.
(21) Schlaf.
Es sitzt der Schlaf am Zoll, hat einen guten Handel;Sein ist der halbe Theil von unserm ganzen Wandel.
(22) Träume.
Aus Nichts hat der ihm was gemacht,Der Träume, welche Nichts sind, acht.