Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
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148
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Friedrichs von Logau Sinngedichte.

(87) Hausstand.

Viel erdulden, nichts verfechten;Schaden leiden, doch nicht rechten;Andre füllen, sich entleeren;Lohnen, doch den Dienst entbehren;Immer geben, nimmer nehmen;Nimmer lachen, immer grämen;Herrschen, gleichwohl dienen müssen;Viel verwenden, nichts genießen;Wenig haben, ofte geben;Selbsten fallen, andre heben;Kommt man bev so viel GeschäftenDann von Gut, Blut, Mark und Kräften,Wie der alte Hund den Knittel,Dulden den Rcbcllcntltel;Das ist unser Hausstand heute.Lobt ihn doch, ihr lieben Leute!

(88) Beginnen.

Fang alles an mit Wohlbedacht; führ alles mit Bestand:Was drüber dir begegnen mag, da nimm Geduld zur Hand.

(89) Schulden.

Wer Schuld mit Schulden zahlt, thut selten alles gut;Dem letzte», der ihm leiht, dem zahlt er mit dem Hut.

(90) Hiobs Weib.

Als der Satan gieng von Hiob , ist sein Anwald dennoch blieben,Hiobs Weib; er hätte nimmer einen bessern aufgetriebcn.

(91) Auf Jungfer Racktlieb,

Cupinuda klagt gar schönUeber Vater Adams Fall-Welch ein Jammer überall!Niemand darf mehr nackend gehn!

(92) Religion.

Daß man mag in Haß und Neid wider seine» Nächsten lebe»,Soll uns die Religion einen schönen Mantel geben?