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Friedrichs von Logau Sinngedichte.
(80) Nisus und Nisa.
Nisus buhlte stark um Nisa: Dieses gab ihr viel Beschwerden?Wollt' ihn nicht; sie freyt ihn aber, seiner dadurch los zu werden.
Da Crispus annoch unbekannt, hielt man ihn böse nicht, noch gut;Nun er bekannt, weiß jedermann, den Schelm bedeckt der breite Hut.
(82) Erbschaft.
Bor, wenn naher Freund gestorben,Erbten wir was er erworben.Wer da wolle sterbe Heuer,Man erbt nichts, als seine Steuer.
(83) Sin vernünftig Weib.
Wer nach einem Engel freyt, trifft oft einen Teufel an.
Alles trifft, wer nur Vernunft an der Seite haben kann;
Denn Vernunft schmückt trefflich schön, denn Vernunft macht alles gut
Und ein Engel wird das Weib, wenn sie wie ein Engel thut.
(84) Auf den Veit.
Jung, war Veit ein Biedermann; alt, ist Veit in Schelmenordc».Wie des Lebens, so der Ehr ist er übcrdrüßig worden.
(86) Gerüchte.
Man saget selten was, es ist doch etwas dran;
An dem ist aber nichts, daß Mops ein ehrlich Mann.
(86) Auf den Curiosus.
Curiosus grämt sich sehr, was ein andrer hat zu leben;Curiosus grämt sich sehr, was ein andrer hat zu geben;Curiosus grämt sich sehr, was ein andrer führt für Lehre;Curiosus grämt sich sehr, was ein andrer hat für Ehre.Curiosus grämt sich nicht, hat nicht wohl das Brodt zu leben;Curiosus grämt sich nicht, hat viel Schuld, und nichts zu geben;Curiosus grämt sich nicht, glaubt von Gott gar keiner Lehre;Curiosus grämt sich nicht, hat viel Schmach und wenig Ehre.Eignen Kummer schickt er fort, kann ihn nicht im Hause leiden;Fremden Kummer hält er an, kann ihn keine Stunde meiden.