Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
162
Einzelbild herunterladen
 

>V»SW»^»V0K

162 Friedrichs von Logan Sinngedichte.

(96) Das Jahr.

Das Jahr ist wie ein schwangres Weib, gebicrct »ns viel Tage,

Zwar Männlcin, doch der Wciblcin mehr; zwar Freude, doch niehr Plage,

(96) Zeitlich Gut.

Was ist doch Ehre, Macht, Pracht, Schönheit, Lust und Geld?Ein gläsernes Gepräng und Dockcnwerk der Welt.

(97) Richter.

Jeder Richter heißt gerecht, und auch ungerecht hinwieder:Dem gerecht, der obgesiegt, ungerecht dem, der liegt nieder.

(98) Frühling und Herbst.

Der Frühling ist zwar schön, doch wenn der Herbst nicht wär,Wär zwar das Auge satt, der Magen aber leer.

(99) Faulheit.

Ein Ballon fleucht ungeschlagen iiimmer, ob er gleich voll Wind:Manche sind zu faul zu Ehren, ob sie gleich begäbet sind.

(100) Auf den Oscus.

Oscus ist au Gelde reich, darf um gar nichts sorgen?Außer wo er gute» Rath und Verstand soll borgen.

(101) Vom Mißbrauch der Singelunst.

Was denkst du, lieber Gott? wenn itzo deine Cbristcn

In deinem Hause dir nach ibrcs Ohres Lüsten

Bestellen Sang und Klang? die krause Mclodcv

Wird angestimmt zum Tanz, zur süßen Bnhlcrcv.

Der Andacht acht man nicht. Der geilen Brunst Gefieder

Erwächst, und steigt empor durch unsre srcchcn Lieder.

Der stille Geist ersitzt, wir hören viel Geschrey,

Die Einfalt weiß nicht recht, obs süß, obs sauer sey;

Obs Thier, obs Menschen sind, die ohne Sinn so klingen;

Ob einer seufzen soll, ob einer so soll springen.

Man wiehert den Diskant, man brüllet den Tenor,

Man billt den Contrapnnkt, man heult den Alt hervor,

Man brummt den tiefen Baß; und soll es lieblich klingen,

So klingt es obnc Wort, wird keine Mcvnung bringen.