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Friedrichs von Logau Sinngedichte.
Daß man aufgenommen,Wolle man ja kommen.
(76) Von dem Cajus.
Cajus hat ein zierlich Weib. Schade nur, es geht die Sage,Daß sie jede Woch im Jahr fcvre sieben Fcvcrtage!
(77) Liebhabende.
Ein Kranker hat nicht Witz, der seine Krankheit liebt:Ein Buhlcr raset so, der sich der Lieb crgicbt.
(78) Güter.
Daß man ohne Sorge lebe, sorgt man stets um Gut und Geld,Das doch den, der es ersorgct, immerdar in Sorgen hält.
(79) Amt der Lbrigkeit.
Wie kömmt es, da sie säugen sollen,Daß Obrigkeiten saugen wollen?
(80) Zorn.
Wo Zorn nimmt Ucbcrhand, da steigt ein Nebel aus,Der den Verstand vcrblcndt und wehrt ihm seinen Lauf.
(81) Von dem Machiavell.
Mancher schilt auf diesen Mann, folget ihm doch heimlich nach:Giebt ihm um die Lehre nicht, giebt ihm um die Lcffnung Schmach.
(82) Kunst und Geschicke.
Wissenschaft und Höflichkeit paaren sich nicht immer:Lcftcrs ist ein hölzern Haus, wo ein goldncs Zimmer.
(83) Ein Hofmann.
Wer redlich ist im Herzen und mit dem Munde frey.Der wisse, daß bey Hofe er nicht bchäglich sey.Wie man ihm vorgesaget, so sagt der Papagcy:Wer gelten will bey Hofe, der trete diesem bey.
(84) Die Poeten.
Ueber seinen Schalte» springen,Kann dem Leichtsten nicht gelingen: