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Friedrichs von Logau Sinngedichte.
(3) AmadiSjungfern.
Pfui euch, die ihr euch rühmt der geilen Buhlcrli'ige»
Des frechen Amadis, die dahin deutlich tügcn
Wo Circe machte Sau, wo Messalina gicng
Und für den schnöden Sieg der Wette Lohn cwvficng!
Die Zunge schärft er zwar, allein er siümpft die Sinnen,
Lehrt was ihr thun sollt, will euch Beyfall abgewinnen
Durch das, was nie geschehn, durch das, was, wcnns geschehn,
Die Ehre ganz verdammt, die Tugend nicht mag sehn.
Nicht mir den weisen Mund, den Amadis gelchret!Ob Zunge laufet gut, wird Sinn doch so versehret,Daß manche Mutter wird, eh als sie Braut seyn mag,Mag Braut bey Nachte seyn, und Jungfer auf den Tag.
Dieß lernt die Neubegier vom Meister in den Lüsten,Für dessen Schüler ich mir wünsche zuzurüstenEin Schiff nach Tomos hin, auf daß der Liebe SchweißZu loschen Mittel sey durch ein crfrischlich Eis.Wie Nasons Schicksal war, der, nach geschriebn?!.- Liebe,Vom Pontns Klagcbricf' und Traucrbüchcr schriebe,Und wohl gcwunschct hätt', daß er der Liebe LustNie andere gelehrt und selber nie gewußt.
Ihr Zungfern, glaubt es nur, so frech das Wort zu führen,Das will dem züchtigen Geschlechte nicht gebühren.Schon lange hat es Recht und Brauch so cingericht,Daß immer jemand ist, der eure Worte spricht,Wo Nutz und Noth es heischt. O wie erschrackr ihr Väter!O wie befahrte Rom ein großes Unfallswetter,Als weiland vor Gericht ein freches Weib auftrat,Selbst Sach und Klage führt' und nm die Rechte bat!Man fragte drüber Rath, schlug auf Sibyllcns Bücher,Und bat die Götter drum, daß diese That sey sicherDem allgemeinen Heil: So seltsam war dieß Ding,Weit mehr als da ein Ochs einst an zn rede» fieng.
Ist Scham und Ehr in euch, so spricht das StilleschweigenGenug von euch für euch; so kann die Herzen neigenZu euerm Schutz und Gunst ein sittsam Angesicht,Das jedem von sich selbst zu Huld und Dienst verpflicht.
Des cdcln Goldes Preis darf keinem AdvocatenAuf seine theure Znng, in feilen Mund gerathen;