Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
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Friedrichs von Logau Sinngedichte.

Ihr scvd der Seele Sccl, und außer euch sind sieAls wären sie nicht mehr, und vor gewesen nie.Die Sonne selbst hat so zu stralcn nie begonnen,Als eurer Augen Licht, das göttliche Paar Sonnen.Der Wangen Lilien mit Rose» untermengtIst ihre Frühlingslust, daran ihr Herze hängt.Der theure Mnndrubin, wem dieser kommt zu küssen,Der mag sich einen Gott und keinen Menschen wissen,Sich dünken mehr als Mars, auch als Adonis mehr,Die Venus Mund geküßt, der vor berühmt war sehr,Eh Ihr kamt auf die Welt, doch jetzt, nun eurer funkelt,Wie vor der Sonn ihr Stern am Himmel, sich verdunkelt.

So saust der Wühler Wind um euer offnes Ohr,Schwellt die Gedanken auf; die suchen denn ei» ThorAm nächsten wo es ist: dann gebt ihr euch zu merke»,Wollt das gegönnte Lob nicht mindern, sonder» stärken,Sagt her, so viel ihr wißt, gebt was ihr bcv euch fühlt,Mcvnt, daß selbst Picho(-j-) nie die Rede schöner hielt.Es gilt euch aber gleich geschickt und ungeschicket,Gereimt und ungereimt, gestickrt und gcslicket,Gemengt und abgetheilt, halb ober ausgeführt:Es ist euch gar genug, wcnns nur heißt discurirr.

Viel Plaudern hat noch nie viel Nutzen heim getragen;Viel Schweigen hat noch nie viel Schaden zu beklage».Ein wohlgcschloßncr Mund verwahrt ein weises Herz,Ein ungebunbnes Maul bringt ihm und andern Schmerz.

Ihr irrt, wen» euch bcdunkt, ihr wäret angenehmerWenn ihr viel Worte macht. Ich halt es viel bequemerZu aller Menschen Gunst, wenn ihr nur so viel sagt,Daß der euch fromm bemerkt, der euch um etwas fragt.Man rühmet Jungfern nicht, die allzuviel gerciset;Ein Weib, das mehr weiß als ein Weib, wird nicht grprcisct.Die Jungfern, die so wohl im Lieben sind geübt,Die übt man zwar noch mehr, nur daß man sie nicht liebt.Wenn man den Zcitvcrdruß mit Schachbrett, KartenspielenBey solchen Leuten stillt, die nicht »ach Golde ziele»Und nach Gewinn, wie da, so bald die Lust gestillt,Das Spiel im Winkel liegt, nichts Knecht noch König gilt:So gchts mit euch: Des Schlafs sich etwa» zu erwehren,Den Uiimuth abzuthun, die Weile zu verzehren,<k) Die Göttin» der Beredsamkeit.