Druckschrift 
9 (1839)
Entstehung
Seite
5
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I.

Ueber die sogenannten Fabeln aus den Zeiten derMinnesinger.

Erste Entdeckung.

Die Gelehrten in ber Schweiß, welche sich um den Schwä-bischen Zeitraum der deutschen Dichtkunst so sehr verdient ge-macht haben, schickten, ehe sie mit der grossen ManessischenSammlung von Minneliedern an das Licht traten, zum ,Vor-schmack einen Band alter Fabeln voraus, die sie ungefehr ausden nehmlichen Jahren zu seyn urtheilten. Wer nicht ganz einFremdling in der Geschichte unserer Litteratur ist, der kennetdiese Fabeln, die unter dem Titel, Fabeln aus den Zeiten derMinnesinger, im Zahre 4757 zu Zürich in Octav herauska-men, und von allen, die Einfalt und Wahrheit in einer echtenund lautern Sprache zu schätzen wissen, mit so vielem Dankeaufgenommen wurden.

Damals glaubten die Herausgeber, und glauben es ohneZweifel noch, daß sie der Welt an diesen Fabeln etwas gelie-fert, was ihr so gut als völlig neu seyn müsse. Sie hieltensich nehmlich für versichert, daß ausser der Hälfte derselben,welche der Straßburgischc Professor, Joh. Geo. Scher;, von47l)4 bis 1710, in cilf akademischen Dissertationen, mit einemweitläufigen Commcntar abdrucken lassen, sonst nichts davonim Druck erschienen sey; und sie also diejenigen wären, welchedas Ganze zuerst aus ihren Handschriften bekannt machten.

Wenn Herausgeber so etwas glauben; so glaubt es dieWelt natürlicher Weise mit: denn man nimmt an, daß Heraus-geber nicht unterlassen, so genaue Kundschaft als möglich deß-falls einzuziehen. Ich wüßte daher auch nicht, daß von irgendjemanden den Herren Schweißern die Ehre der ersten vollstän-digen Bekanntmachung benannter Fabeln wäre abgestritten wor-den: und ich selbst bin länger als zehn Zahre der festen Mei-nung gewesen, daß sie ihnen auch nicht abzustreiten stehe.

Denn nur erst 17K9 gerieth ich auf den Verdacht, daß esdoch wohl eben diese Fabeln seyn könnten, welche schon längst