Druckschrift 
9 (1839)
Entstehung
Seite
416
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416 Zur Geschichte und Litteratur. Dritter Bcytr.ui.

XVIII.

Von Duldung der Deisten:Fragment eines Ungenannten.

Die hauptsächlichste Betrachtung, auf welche Nenscrs Ge-schichte einen denkenden Leser führet, brauche ich wohl nichterst lange anzugeben. Sie ist es aber, die mich an Fragmenteeines sehr merkwürdigen Werks unter den allerncuesten Hand-schriften unserer Bibliothek, und besonders an eines derselben solebhaft erinnert, daß ich mich nicht enthalten kann, von ihnenüberhaupt ein Wort hier zu sagen, und dieses eine als Probedaraus mitzutheilen.

Es sind, sage ich, Fragmente eines Werks: aber ich kannnicht bestimmen, ob eines wirklich einmal vollendet gewesenenund zerstörten, oder eines niemals zu Stande gekommenenWerks. Denn sie haben keine allgemeine Aufschrift; ihr Ur-heber wird nirgends angegeben; auch habe ich auf keine Weiseerfahren können, wie und wenn sie in unsere Bibliothek ge-kommen. Za sogar, daß es Fragmente LAncs Werks sind,weiß ich nicht mit Gewißheit, sondern schliesst es nur daher,weil sie alle LLinen Zweck haben, alle sich auf die geoffenbarteReligion beziehen, nnd vornehmlich die biblische Geschichte prüfen.

Sie sind mit der äussersten Frcymüthigkcit, zugleich abermit dem äussersten Ernste geschrieben. Der Untersucher vergißtseine Würde nie; Leichtsinn scheint nicht sein Fehler gewesenzu seyn; und nirgends erlaubt er sich Spöttereien und Possen.Er ist ein wahrer gesetzter Deutscher, in seiner Schreibart undin seinen Gesinnungen. Er sagt seine Meinung gerade zu,und verschmähet alle kleine Hülfsmittel, den Beyfall seiner Le-ser zu erschleichen.

Da, nach der Hand und der äusscrn Beschaffenheit seinerPapiere zu urtheilen, sie ohngcfähr vor drcyssig Jahren geschrie-ben seyn mögen; da aus vielen Stellen eine besondere Kennt-niß der Hebräischen Sprache erhellet; und der Verfasser durch-gängig ans Wolffischcn Grundsätzen philosophiret: so haben