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Die Weiterbildung der Kant'schen Aprioritätslehre bis zur Gegenwart : ein Beitrag zur Geschichte der Erkenntnistheorie / Rudolf Eisler
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»wahren, notwendigen, ewigen und unwandelbaren Sein,«dessen innerste Natur eine rein geistige ist und von derenwirklichen Verhältnissen die Vorstellungswelt eine Spiege-lung ist.«*)

4. Johann Friedrich Herbart .

Herbart ist ein heftiger Gegner der AprioritätslehreKant's , ist aber weit entfernt, die kritische Methode zuverwerfen; er sieht vielmehr in ihrer Aufstellung das Haupt-verdienst Kant's und acceptiert sie, nicht ohne sie bedeutendzu modifizieren. Herbarts philosophisches Grundverfahrenist bekanntlich die »Methode der Beziehungen.« Mit Er-weiterung der Kant'schen Antinomienlehre geht er von demGedanken aus, dafs die Erfahrung uns eine Unzahl vonBegriffen verschafft, die zu notwendigen Widersprüchenführen. Die Aufgabe der Philosophie nun ist es, dieseWidersprüche zu tilgen und zwar kann dies nach Herbart nur dadurch geschehen, dafs die widerspenstigen Begriffederart durch das Denken bearbeitet werden, dafs sie inden Gesamtbau der Erkenntnis hineinpassen. Die Methodeder Beziehungen besteht darin, dafs die zu bearbeitendenBegriffe in ihre Bestandteile zerlegt werden und die Dingenun aus den Beziehungen, in die sie zu einander gebrachtwerden, verstanden werden können. Dadurch meint Herbart die zwei Grundfehler der bisherigen Metaphysik zu ver-meiden: erstens das Zerreifsen der Beziehungen der Begriffeunter einander und zweitens die mangelhafte Anknüpfungan das Gegebene. '-) Nach Herbart ist das metaphysischeWissen durch Kant nicht weiter gekommen und sind dieProbleme der Metaphysik noch immer ungelöst geblieben.Der Grund davon liegt in den Prinzipien der Kant'schenErkenntnislehre. Die Aprioritätslehre steht auf sehr schwachen

') 1. c. S. 92.

') Allgemeine Metaphysik, 1828. 1. Tl. S. 5658.