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Die Weiterbildung der Kant'schen Aprioritätslehre bis zur Gegenwart : ein Beitrag zur Geschichte der Erkenntnistheorie / Rudolf Eisler
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Wesen, sondern nur die Relationen, in denen sie zu ein-ander stehen, und so ist denn unser Wissen ein blofsFormales. ] )

5. Friedrich Eduard Beneke .

In der Vorrede zu seinem »System der Logik« stelltBeneke es als notwendig hin, dafs die Philosophie aus demZustande der Begriffsdichtung zur Nüchternheit zurückkehre,wenn sie überhaupt den Charakter der Wissenschaftlichkeitin Anspruch nehmen wolle. 2 ) Er bezeichnet es als die Auf-gabe der Erkenntnistheorie, die Formen und Verhältnissedes Denkens zu untersuchen, aber nicht, wie sie in der aus-gebildeten Seele fertig vorliegen, sondern erst nach ihrerZerlegung in ihre Grundfaktoren, wobei es selbstverständlichist, »dafs man die EntwicklungsVerhältnisse und Formen desDenkens wenigstens nicht von vornherein als mit denen desSein's identisch setzen darf.« 8 )

Die Selbsttätigkeit des Geistes äufsert sich schon inden einfachsten sinnlichen Empfindungen; die sinnlichen»Urvermögen« warten nicht passiv auf die Erregung vonaufsen, sondern die Empfindung kommt nur zu Stande durchdie selbstthätige Aneignung des Reizes seitens der Seele. 4 )Die Form der Reizaneignung ist abhängig von der Beschaffen-heit der einzelnen Sinne; es giebt aber nicht, wie Kant meint, einen äufsern Sinn mit seiner eigentümlichen An-schauungsform, sondern mehrere äufsere Sinne, deren jederseine besondere Anschauung hat, z. B. Tast- und Gesichts-sinn. 5 ) Alle Selbstthätigkeit und Form der Empfindung aber

') 1. c. S. 41215.

a ) System der Logik als Kunstlehre des Denkens, 1S42. 1. Bd.Vorr. IX.

*) 1. c. S. 5.

') 1. c. 2. Bd. S. 24.

6 ) 1. c S. 25.