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vorwiegend an den natürlichen Wasserlänfen ansiedelten, die überhauptnur an Ort und Stelle der Industrie dienstbar gemacht werdenkonnten. Die großen Kosten des Transports eines Kraft erzeugendenHilfsstoffs, wie der Kohle, sind zwar keine absolute Bindung mehr,aber sie wirken in ähnlicher Richtung. Wenn es einmal gelingt, durcheine Vervollkommnung der elektrischen Kraftübertragung die Kostendes Transports motorischer Kraft auf ein Minimum zu reduzierenund dadurch die jetzt noch mehr oder weniger an den Ort gebundenenHilfskräfte der industriellen Produktion vollständig zu mobilisieren,so wird dadurch eine wesentliche Grundlage der heutigen Verteilungder Industrie erschüttert werden. Solange aber die Übertragung derKraft auf elektrischem Weg noch nicht zu geringen Kosten und mitunerheblichem Kraftverlust bewirkt werden kann, werden die Wasser-läufe und namentlich die Stätten der Eisen- und Kohlengewinnungdie industrielle Thätigkeit iu hervorragendem Maße anziehen, weil esbilliger ist, die meisten anderen Rohstoffe, wie Baumwolle und Wolle,wertvollere Metalle, wie Kupfer und Zinn, zu den Kohlen und zumEisen zu transportieren als umgekehrt.
Neben den unwandelbaren Bedingungen der äußeren Natur undden technischen Verhältnissen beruht die verschiedene Eignung der ein-zelnen Länder, wie ich bereits andeutete, zu einem sehr wesentlichenTeil in den Verschiedenheiten der Eigenschaften, des Standes und desKapitalreichtums der Bevölkerung.
Vor allem kommt hier ein Moment in Betracht, das gerade fürdie Gestaltung der internationalen Arbeitsteilung und des internatio-nalen Handels im Lauf des letzten Jahrhunderts von der größten Be-deutung geworden ist.
Unter gleichen natürlichen Verhältnissen sind in den Ländern mitdünner Bevölkerung und geringem Kapitalreichtum die Bedingungenfür die Landwirtschaft günstiger, in den Ländern mit dichter Bevölke-rung und einer großen Anhäufung von Kapitalien die Bedingungenfür die Industrie und den Handel. Jede Industrie größeren Stilshat einen gewissen Kapitalreichtum und eine gewisse Dichtigkeit derBevölkerung zur Voraussetzung, deren weitere Accumulation undKonzentration durch die Entwicklung der Industrie ihrerseits gesteigertwird. Ost ist in diesem Wechselwirkungsverhältnis die erste Ursachenicht zn unterscheiden, es ist nicht klar zu erkennen, ob die Anhäufungder Bevölkerung die Blüte der Industrie oder ob umgekehrt die auf der