meisten Jahren unter den Einfuhrartikeln an erster Stelle rohe Schaf--wolle, das Produkt einer extensiven Landwirtschaft, und stets ist auchdie Einfuhr der übrigen landwirtschaftlichen Erzeugnisse der gemäßigtenZone, die Einfuhr von Getreide, von Fleisch, Häuten, Eiern, vorallem auch die Einsuhr von Holz sehr erheblich; unter den Mineraliennehmen Kupfer, Steinkohlen und Eisenerze eine ansehnliche Stellungein, unter Fabrikaten namentlich Wollengarn. Unsre wichtigen Aus-fuhrwaren sind fast ausschließlich Fabrikate und Halbfabrikate; vonRohstofsten kommen nur die Steinkohlen mit erheblicheren Beträgenin Betracht.
Unter unsren Einfuhrwaren findet sich mithin eine überaus statt-liche Gruppe von Artikeln, die wir im eigenen Lande produzierenkönnten, aber entweder nicht in einem dem Bedarf genügendenUmfang oder nur zu höheren Kosten, als sie uns das Auslandzu liesern vermag. Das gilt vor allem für die landwirtschaftlichenProdukte. Gerade in Bezug auf diese Gruppe von Waren hat sich,wie ich bereits erwähnte, im Laufe der letzten vier bis fünf Jahr-zehnte unter dem Einfluß der Verbesserung der Transportverhältnissedie wesentlichste Verschiebung im deutschen Außenhandel vollzogen.
Der Wert der deutschen Mehrausfuhr von Weizen wurde noch1860-64 auf jährlich 35 Mill. Mk. geschätzt.' Der Eisenbahnbauin Deutschland hat zunächst dahin gewirkt, den Getreidecxport nachEngland zu fördern, er hat die Landwirte im deutschen Innern inStand gesetzt, von den relativ hohen englischen Getreideprcisen zuprofitieren. Aber die beginnende Gctreidekonkurrenz der neu er-schlossenen überseeischen Gebiete wirkte allmählich dahin, daß dieLandwirtschaft in den alten Ländern in ihrer Ausdehnung hinter derBevölkerungszunahme zurückblieb. Wie schon früher England , so ver-wandelte sich Deutschland im Beginn des 70er Jahre in ein Getreide-importland.
Unter dem Druck der steigenden Bevölkerung war man bei unsmehr und mehr zum Anbau minder ergiebigen Bodens übergegangen;die Landwirtschaft war außerdem intensiver geworden in dem Grade,daß sich das „Gesetz des abnehmenden Ertrags", von dem ichdas letzte Mal gesprochen habe, bereits fühlbar machte, daß die land-