Meine Herren, ich darf mir nicht versagen, das tote Gerippedes Haushaltsentwurfs für 1915, das ich Ihnen bis jetzt vorge-tragen habe, mit etwas mehr Fleisch und Blut durch einige Mit-teilungen darüber auszufüllen, wie sich der Reichs Haus haltim laufenden Finanzjahr, von dem acht Monate in dieKriegszeit fallen, gestaltet hat. Aber ich will es kurz machenund genauere Angaben in der Budgetkommission geben, wennsolche gewünscht werden. Zunächst kann ich Ihnen mitteilen, daßdie Rechnung für das zu Ende gehende Finanzjahr trotz desKrieges nicht mit einem Fehlbetrag, sondern voraussichtlich miteinem Überschuß abschließen wird.
(Hört! hört! Bravo I)
Nach den Ianuarergebnissen, die bereits vorliegen, wird dieserÜberschuß etwa 38 Millionen Mark betragen. Meine Herren,ich will Ihnen Ihre Freude nicht gern stören,
(Heiterkeit)
aber die Gewissenhaftigkeit erfordert, daß ich ,hinzusetze: der Über-schuß ist ein rechnungsmäßiger,
(Heiterkeit)
dessen Bedeutung sich nur aus den Faktoren beurteilen läßt, ausdenen er sich ergibt. Diese Faktoren — ich nehme an, daß Siedas interessieren wird — sind die folgenden:
Die Einnahmen des ablaufenden Etatsjahres ergeben voraus-sichtlich ein Minus von 535 Millionen Mark, also von mehrals einer halben Milliarde.
Die fortdauernden Ausgaben zeigen gleichfalls ein Minus— also eine Ersparnis —, und zwar in Höhe von 561 MillionenMark.
Die einmaligen Ausgaben bleiben mit 10 Millionen Markhinter dem Voranschlag zurück.
Aus diesen Ziffern ergibt sich das rechnungsmäßige Schluß-resultat, das ich vorhin nannte, der Überschuß von 38 MillionenMark.
Wenn Sie die Verteilung des Einnahmerückgangesauf die wichtigsten Quellen interessiert: Der Ertrag der Zölle
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