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2 (1915) Reichstagsrede am 20. Aug. u. 14. Dez.
Entstehung
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Die Zeitungen schreiben ich zitiere hier wörtlich denOauloig"Auf finanziellem Gebiete hat also, wie auf allen anderenGebieten, das deutsche Debacle angefangen.(Heiterkeit.)

Ein ähnliches Debacle, wie dieser Kurs von 49^ Prozent für unsereStaatspapiere, ist in den Augen unserer Feinde es ist nicht zuglauben, aber wahr unsere Reichs bank. Die Neichsbank hatseit Kriegsausbruch ihren Goldbestand um mehr als eine Mil-liarde erhöht,

(hört! hört!)

ein Beispiel, dem die Engländer und Franzosen bisher vergeblichannähernd Gleichwertiges zur Seite zu stellen gesucht haben. DieGolddeckung der Reichsbank für ihre sämtlichen Verbindlichkeiten,die vor dem Kriege ungefähr gleich gut war wie die Golddeckungder Bank von England und um 9 Prozent ungünstiger als bei dersehr gut mit Gold ausgepolsterten Bank von Frankreich , ist heuteum 5,4 Prozent besser als in Frankreich und um 8 Prozent besserals in England

(hört! hört!)

trotz der großen Einzahlungen auf die letzte englische Kriegsanleihe.Die Zahlen der Golddeckung nach den letzten Bankausweisen sind:bei uns 33,7 Prozent, in Frankreich 28,3 Prozent und in England 25,3 Prozent;

(hört! hört!)

sie war aber dort schon niedriger als 20 Prozent.

Aber, meine Herren, auch diese Zahlen nützen nichts. EinLondoner Finanzblatt erklärte kürzlich schlechtweg unser Gold in derReichsbank für Papier;

(Heiterkeit)

und die französische Presse spricht dies gläubig nach. Warum?Weil die Darlehnskassenscheine neben dem Metall bei uns Noten-deckung sind. Das genügt für die auswärtige Finanzkritik, unserGold glattweg für Papier zu erklären! Daß diese Darlehnskassen-scheine zusammen mit den Reichskassenscheinen in jedem Ausweisder Reichsbank getrennt von dem Metall und getrennt von demGolde ausgewiesen werden, daran stößt man sich nicht.

Neuerdings hat ein ganz kluger Mann noch eine andere Ent-deckung gemacht. Ich bringe diesen Fall, wie die anderen, nurdeshalb hier vor, um Ihnen zu zeigen, wie von unseren Feinden ge-

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