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2 (1915) Reichstagsrede am 20. Aug. u. 14. Dez.
Entstehung
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Nun, meine Herren, zu dem letzten Punkte dieser finanziellenÜbersicht, zu dem Punkte, den ich im Monat März hier als deneinzigen wunden Punkt in unserer Finanzverfassung bezeichnenmußte: ich meine die Gestaltung der auswärtigen Wechsel-kurse. Ich habe mich damals bemüht, Ihnen zu zeigen, auf welchenZusammenhängen der Rückgang unserer auswärtigen Wechselkursewährend dieses Krieges beruht. Sie bestehen, kurz zusammengefaßt,in der starken Unterbindung unseres Exports und in der Sperrungunserer Kapitalanlagen im Auslande. Die Dinge haben sich aufdiesem Gebiete für uns nicht erheblich gebessert, aber auch nicht ver-schlechtert. Die Sache ist heute ungefähr auf demselben Stande,auf dem sie im Monat März gewesen ist. Das ist, nachdem manein weiteres halbes Kriegsjahr hinter sich hat, immerhin schon einFortschritt, im Gegensatz zu dem im allgemeinen zutreffendenSprichwort, daß Stillstand Rückschritt bedeutet. Dagegen ist denFranzosen und den Engländern der Spott über diesen Punkt inzwischendoch vergangen. Das stolze England , dem die Meere offen stehen,das über eigenes und fremdes Vermögen verfügt, kämpft einen ver-zweifelten Kampf um die Aufrechterhaltung des Sterlingkurses gegendie immer größer werdende Entwertung. Der Sterlingkurs ist inletzter Zeit in Newyork bis 5 Prozent unter die Parität herunter-gegangen, ein Zustand, wie er sich seit den Napoleonischen Kriegennicht ereignet hat. Frankreich , dessen Valuta noch im März dievolle Parität hatte, bezahlt heute für 100 Schweizer Franken110 französische Franken,

(hört! hört!)

und in Newyork ist die gestern herübergekabelte Notierung desFranken etwa 16 Prozent Disagio. Die französische Valuta stehtalso in Newyork jetzt schlechter als die deutsche.

(Lebhafte Rufe: Hört! hört!)

Aber auch hier haben die Franzosen ihren Trost leicht bei der Äand.Äerr Ribot, der französische Finanzminister, hat kürzlich Kammerund Land über den Valutarückgang mit folgenden Worten beruhigt ich zitiere französisch, damit man nicht sagen kann, die Über-setzung übertreibe:

II n'z? g, Äucune ckepreci^ion cke norre ereckir; il s, simple-

rrienr, ckes dWcu1r.es cke paz^er.

(Heiterkeit.)