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Jahrzehnt die Alleinherrschaft des Goldes vorbereitet hat.Schon Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahrewar für den Beobachter das Herannahen dieser Herrschaft klarbemerkbar.Aufhaltend trat ihr vorerst noch entgegen dieWirkung, welche im Weltverkehr gleichzeitig durch den Se-cessionskrieg und durch die Krankheit der südcuropäischcnSeidcnwürmer herbeigeführt wurde. Für seiucu nothwendig-sten und seinen schönsten Bcklcidungsstoff, für Baumwolleund Seide, sah sich Europa plötzlich auf den entferntestenOsten angewiesen, der nur Silber in Zahlung nahm. Dieseseigenthümliche Zusammentreffen unterbrach auf einige Jahredie natürliche Bewegung der Dinge, welche aber nach demVerschwinden jener Conjunctur sich sofort wieder um sovollere Geltung verschaffte.
Wir wissen bereits von Holland, Deutschland und demLateinischen Münzbuude, daß sie thatsächlich die Alleinherr-schaft des Goldes anerkannt haben, der letztere, trotzdem erim Jahre 1865 auf einem Fundament aufgebaut wordcu, daseigens bestimmt war, für die Zukunft der starke Träger derDoppelwährung zu werden. Weder Vorsatz noch Bündnis;hatten Kraft genug, dem Gauge der Diugc zu widerstehen.Im Jahre 1874 mußten die Verbündeten, wie auch Holland ,auf die freie Silberprägung verzichten. Sie mußten es thnn,trotzdem noch andere Länder, wie Spanien und Oesterreich,sich ihrem System feierlich, theilwcise durch Vertrag ange-
Meine Abhandlung „Die Gold- und Silberfrage" im erstenJahrgange der „Deutschen Jahrbücher für Literatur und Politik"sprach sich bereits 1861 entschieden in diesem Siune aus.