Vom Dreibund zum Dreiverband
Wunsch, Marokko — ohne Rücksicht auf die dort vorhan-denen erheblichen deutschen Interessen zu nehmen undohne Deutschland überhaupt darum zu begrüßen — sicheinzuverleiben. Auch hier lag die aggressive und annexio-nistische Politik bei Frankreich, während Deutschlandlediglich den durch einen internationalen Vertrag gewähr-leisteten Status quo vertrat. Im übrigen war es das Strebender deutschen Politik, die Marokkofrage ohne Krieg zuerledigen, ein Streben, das durch den Vertrag vom No-vember 1911 auch zur Durchführung kam.
Die Haltung Rußlands zum Zweibund war wenigerdurch Fragen bedingt, die unmittelbar zwischen Deutsch-land und Rußland gespielt hätten, sondern so gut wieausschließlich durch das in der Hauptsache durch dieBalkanfragen beeinflußte Verhältnis zwischen Rußlandund Österreich-Ungarn. Deutschland hat dem starkenrussischen Ausdehnungsdrang nach Osten niemals irgendetwas in den Weg gelegt. Es hat im Gegenteil die in ersterLinie im russischen Interesse liegende Intervention nachdem Frieden von Shimonoseki mitgemacht und sich da-durch die Gegnerschaft Japans zugezogen; es hat später-hin sich England gegenüber geweigert, auf Grund desAbkommens von 1900 sich an einem Vorgehen gegen dieBestrebungen Rußlands in der Mandschurei zu beteiligen,und hat damit zweifellos ein Erhebliches zu der end-gültigen Abkehr Englands von Deutschland und zumbritisch-französischen Zusammenschluß beigetragen; es hat
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