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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
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Englands Einmischung und Kriegsdrohung

selbst, vor der Rede Lloyd Georges, der deutsche Bot-schafter in einer von Sir Edward Grey herbeigeführtenUnterhaltung die Deutschland von diesem zugeschriebenenAbsichten mit Entschiedenheit in Abrede gestellt hatte.Für das Verhalten der britischen Regierung blieb also nurdas eine Motiv, das der deutsche Botschafter nach der RedeLloyd Georges gegenüber Sir Edward Grey klipp und klarmit folgenden Worten bezeichnete:

Sollte die englische Regierung die Absicht haben, die poli-tische Lage zu verwickeln und zu verwirren und einer gewalt-samen Entladung zuzuführen, so hätte sie allerdings kein bes-seres Mittel wählen können als die Rede des Schatzkanzlers."

Aber die britische Regierung begnügte sich damals nichtnur mit Worten. Ebenso wie sie im Jahre 1905 HerrnDelcasse die Unterstützung durch ein britisches Expe-ditionskorps angeboten hatte, setzte sie jetzt ihre Flottein Bereitschaft und traf alle Vorkehrungen für die Über-führung eines Landheeres nach Flandern. Aus den Ent-hüllungen des britischen Hauptmanns Faber und aus denBrüsseler Akten wissen wir heute, daß die britische Regierungdamals entschlossen war, ,,en tout etat de cause", undzwar auch ohne Zustimmung der belgischen Regierung,in Flandern zu landen oder einzumarschieren.

Die ebenso ruhige wie feste Haltung der deutschenRegierung hat damals die Kriegsgefahr abgewendet.

Nach langen und schwierigen Verhandlungen kam derdeutsch-französische Vertrag vom 4. November 1911

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