Die Etappen zum Weltkrieg
Erklärung, daß England keinen unprovozierten Angriffauf Deutschland machen und keiner Abmachung angehörenoder beitreten werde, die einen solchen Angriff bezwecke.Den vom Reichskanzler gewünschten Zusatz, der aus dieserErklärung die Folgerung zog, auf die es ankam: „Englandwird daher selbstverständlich wohlwollende Neutralitätbewahren, sollte Deutschland ein Krieg aufgezwungenwerden", lehnte die britische Regierung ab, da jede überihren Vorschlag hinausgehende Verständigungsformel dieBeziehungen zu Rußland und Frankreich gefährden würde.
England wollte sich also für den Fall eines Krieges, inden Deutschland verwickelt werden würde, auch wenndieser Krieg nicht von Deutschland herbeigeführt, sondernihm aufgezwungen werden würde, freie Hand vorbehalten— genau die Haltung, die es Ende Juli 1914, als der Welt-krieg in Sicht kam, tatsächlich eingenommen hat.
Eine Formel, die England lediglich darauf festlegte, daßes keinen unprovozierten Angriff auf Deutschland machenwerde, England aber freie Hand im Falle eines Deutsch-land aufgezwungenen Kriegs vorbehielt, erschien derdeutschen Regierung nicht als genügend. Es hatte sichim Verlauf der Verhandlungen klar gezeigt, daß der vonder deutschen Regierung erstrebte Zweck, durch einNeutralitätsabkommen mit England eine ähnliche Versiche-rung gegen einen Weltkrieg zu erreichen, wie sie seinerzeitim RückVersicherungsvertrag mit Rußland bestanden hatte,bei der britischen Regierung nicht durchzusetzen war.
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