Die Autonomie Polens
polnischen Angelegenheiten beseitigen und uns Bewegungs-freiheit geben sollte. Die beiden Herren kamen zurück miteiner Vereinbarung, die ein autonomes Königreich Polen mitAnlehnung an die beiden Zentralmächte ins Auge faßte.In den militärischen Dingen sollte Deutschland den aus-schlaggebenden Einfluß haben; über die Regelung derwirtschaftlichen Beziehungen Polens zu den beiden Zentral-mächten sollte zunächst noch zwischen mir und der WienerRegierung verhandelt werden.
Ich hatte, ebenso wie der Unterstaatssekretär Zimmer-mann, ernstliche Bedenken gegen jede Festlegung auf dieErrichtung eines autonomen und selbständigen Polen.Ich fürchtete, daß ein solches Polen für uns ein unzu-verlässiger Nachbar sein werde, daß es seine Begehrlichkeitalsbald auch auf unsere teilweise polnisch bevölkertenOstmarken richten werde, daß es notwendigerweise zumZankapfel zwischen uns und unserem Verbündeten werdenmüsse und daß die geplante Autonomieerklärung derimmerhin noch denkbaren Verständigung mit Rußlandeinen schweren Stein in den Weg rollen könne. Von derIdee, daß ein autonomes Polen noch während des Kriegesfür uns nutzbar gemacht werden könnte, die damalsschon in manchen Köpfen spukte, hielt ich nichts. Eswar mir eine Beruhigung, daß in Wien ein bestimmterZeitpunkt für die Autonomieerklärung nicht festgelegtworden war und daß der Kanzler den Wert der WienerVerständigung hauptsächlich in dem negativen Ergebnis
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