Vom U- Bootkrieg bis zur Friedensresolution
zu schüren und die Massen aufzureizen. Die Führer derMehrheitssozialdemokraten gaben zwar durch ihre Haltunggegenüber den Leuten um Haase und Ledebour zu erkennen,daß sie die Politik der Aufreizung nicht mitmachen wollten;auch die Haltung der sozialdemokratischen Gewerkschaftenzeigte im großen ganzen Einsicht, guten Willen und vater-ländische Gesinnung. Aber die Verweigerung des Budgetsfür 1916 und die von dem Abgeordneten Ebert gegebeneBegründung bestätigte, daß diese Kreise es für notwendighielten, in ihrem Verhalten zur Regierung und zu den an-deren Parteien der Stimmung der den Aufwiegelungen derRadikalen unterliegenden Massen Konzessionen zu machen.
Ich brauche kein Wort darüber zu verlieren, wie wichtiges für den Gang des Krieges und für das Schicksal Deutsch-lands war, die Millionen der sozialdemokratischen Arbeiter-schaft bei der Fahne des Vaterlandes festzuhalten. Jedemdenkenden Menschen mußte es als geradezu unmöglicherscheinen, den Krieg zu einem guten Ende zu führen,wenn ein großer und gut organisierter Teil des werktätigenVolkes grollend beiseite trat oder gar dem Durchkämpfendes Krieges sich feindlich widersetzte. Hier lag unseregrößte Sorge. Vor allem Herr von Bethmann Hollwegwar durchdrungen davon, daß die Erhaltung des gutenWillens der Sozialdemokratie die Schicksalsfrage desdeutschen Volkes sei.
Mit dem Festhalten an starren Formeln und der grund-sätzlichen Ablehnung einer jeden Forderung war diese
84