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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
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Vom U- Bootkrieg bis zur Friedensresolution

sollte. Noch am Mittwoch, 11. Juli, erklärten mir dieFührer der Fortschrittlichen Volkspartei und der Sozial-demokraten, kein Interesse an einem Kanzlerwechsel zuhaben. Für das Zentrum gab mir in Gegenwart des Ab-geordneten Dr. Spahn der Abgeordnete Fehrenbach einResumé wieder, in dem er nach einer langen Aussprachein der Fraktion deren Meinung zusammengefaßt habe. DasResumé lautete etwa: Das Zentrum sähe in seiner großenMehrheit kein Bedenken gegen das Verbleiben des Kanzlersim Amte. Die Fraktion vertraue jedoch darauf, daß derKanzler, falls sich herausstellen sollte, daß seine Personeine Erschwerung für Friedensverhandlungen sei, darausdie Konsequenzen ziehen werde. Sogar von den Konser-vativen, den erklärten Bethmann- Gegnern, gewann ich denEindruck, daß sie für eine geräuschlose Erledigung derKriegskredite unter Zurückstellung ihrer Wünsche nacheinem Kanzlerwechsel zu haben sein würden.

Mit den Vertretern der Nationalliberalen konnte icherst am Donnerstag vormittag sprechen. Als deren Ver-treter besuchten mich die Herren Dr. Schiffer, Dr. Strese-mann und List( Eßlingen). Dr. Stresemann erklärte, eingroßer Teil seiner Partei betrachte Bethmanns Abgang alseine Notwendigkeit. Dr. Schiffer machte nur den Ein-wand, daß nicht alle in der Partei so dächten. Auf meinenHinweis auf die außenpolitischen Umstände, die imgegenwärtigen Moment gegen einen Kanzlerwechsel undfür eine glatte Bewilligung des Kriegskredits sprächen,

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