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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
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Hindenburg und Ludendorff gegen das Verbleiben Bethmann Hollwegs

Der unheilvolle Gegensatz, in den die beiden Generale, jelänger desto mehr, zu Herrn von Bethmann geraten waren,kam so im ungeeignetsten Augenblick zur Explosion.

Ohne Kenntnis von diesem Vorgang zu haben, ver-handelte ich an demselben Nachmittag im Reichstag überdie ,, Friedensresolution".

Dort erhielt ich ein Schreiben des Herrn Dr. Stresemann,der mir unter Bezugnahme auf die Unterhaltung vomVormittag mitteilte, daß die nationalliberale Fraktion be-schlossen habe, durch ihren stellvertretenden Vorsitzenden,den Prinzen Schönaich- Carolath, dem Chef des Zivil-kabinetts des Kaisers mitteilen zu lassen, daß nach ihrerAnsicht eine Lösung der Krisis ohne den Rücktritt desReichskanzlers nicht denkbar sei.

Dann wurde mir durch den Abgeordneten Fehrenbach mit-geteilt, das Zentrum habe seine Stellung von gestern unter derEinwirkung gewisser Mitteilungen aus dem Großen Haupt-quartier geändert und sich gegen eine kleine Minderheit dahinausgesprochen, der Kanzler sei ein Friedenshindernis undmüsse gehen. Der Fraktionsvorsitzende Dr. Spahn hattewährend der Sitzung einen schweren Ohnmachtsanfall er-litten und mußte in ein Krankenhaus transportiert werden.Die inzwischen in der interfraktionellen Fraktion fertig-gestellte Friedensresolution schickte ich an den Kanzler,der im Schloẞ Bellevue beim Kaiser zum Vortrag war, mitder dringenden Bitte, sich nicht auf diese Resolution fest-zulegen.

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