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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
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Vom U- Bootkrieg bis zur Friedensresolution

kanzlerpalais einfand, mit einiger Heftigkeit zum Aus-druck. Ich sagte voraus, daß der neue Kanzler sich nichtbis Weihnachten werde im Amte halten können, und er-suchte Herrn von Valentini, dem Kaiser meine Bitte umEntlassung zu übermitteln. Auch dem neuen Kanzler,der mich bat, ihm meine Mitarbeit zu gewähren, erklärteich meinen Entschluß, meine Entlassung zu nehmen; aufsein Drängen sagte ich ihm schließlich zu, für eine Über-gangszeit, bis er selbst eingearbeitet sei und für micheinen geeigneten Nachfolger gefunden habe, die Geschäfteweiterzuführen.

Unterdessen hatte Wolffs Telegraphisches Bureau derReichskanzlei telephonisch mitgeteilt, es habe ,, aus demReichstag" den Wortlaut der ,, Friedensresolution" zur so-fortigen Verbreitung erhalten. Da mit den Parteien ver-abredet worden war, daß am nächsten Tag über die Re-solution weiter verhandelt werden sollte, lag hier einoffensichtlich illoyaler Akt und Gewaltstreich vor. Derneue Reichskanzler ordnete an, daß Wolff ersucht werdensolle, die Verbreitung zu unterlassen und durch Rundrufdie Presse zu bitten, von einer Veröffentlichung der Frie-densresolution, falls ihr diese von anderer Seite zugehensollte, Abstand zu nehmen. Trotzdem wurde der Textder Friedensresolution am nächsten Morgen im ,, Vorwärts"publiziert.

In der Frühe des 14. Juli teilte mir der neue Kanzlermit, daß er versuchen wolle, die Friedensresolution durch

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