Stellung des Kanzlers erschüttert
eine Rolle spiele, und daß eine nur auf Macht begründetePolitik zum Scheitern verurteilt sei, offenbarte zwar keineneue Weisheit, wurde aber von den Mehrheitsparteienals eine programmatische Absage an einen ,, Gewaltfrieden"und als ein grundsätzliches und klares Bekenntnis zu dem,, Frieden der Verständigung und des Ausgleichs" derReichstagsresolution aufgefaßt.
An demselben 22. August machte der Reichskanzlerdem Reichstag ein weitgehendes Zugeständnis: Er kün-digte an, daß er beabsichtige, zum Zweck der Herstellungeiner engeren Fühlung und eines besseren Vertrauens-verhältnisses zwischen Reichsleitung und Reichstag in denFragen der auswärtigen Politik einen aus Vertretern derParteien bestehenden Beirat zu berufen, dessen Aufgabees sein sollte, mit der Reichsleitung ,, Dinge, die im Werdensind, durchzuberaten und zu einer Lösung zu führen, dieder Öffentlichkeit übergeben werden kann". Als ersteAufgabe sollte diesem Beirat die Feststellung der Antwortauf die Papstnote zugewiesen werden. In dieser nichtunbedenklichen Form nahm also der Kanzler den Ge-danken des ,, Reichsrats", den er zunächst hatte fallenlassen, wieder auf. Den Parteien des Reichstags wurdedamit auf die Leitung der auswärtigen Politik des Reichesgrundsätzlich ein bestimmender Einfluß eingeräumt.
Auf Grund dieser Zusage des Reichskanzlers wurdevon den Reichstagsparteien die sogenannte ,, Siebener-kommission" eingesetzt, in der das Zentrum und die
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