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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
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Die Kanzlerschaft des Herrn Michaelis

des Kanzlers, mit dem Vorbehalt, daß die belgische Frageerneut geprüft werden müsse, wenn der Verzicht aufBelgien nicht bis zum Jahresende den Friedensschlußermögliche. Der Kronprinz, der in der Sitzung selbstnicht das Wort ergriff, sprach sich nach der Beratungmir gegenüber dahin aus, daß nach seiner Ansicht jedeMöglichkeit, zu einem anständigen Frieden zu kommen,ergriffen werden müsse, und daß der Friede an keiner ansich noch so wichtigen Einzelforderung scheitern dürfe.

Die angebliche Friedensbereitschaft Englands entpupptesich bald als ein ,, Mißverständnis". Es entspann sichspäter ein Streit darüber, ob Deutschland oder Englanddie Initiative zu einem neuen Friedensschritt ergriffenhabe. Die englische Regierung lehnte es kategorisch ab,irgendeiner neutralen Regierung Andeutungen über ihreFriedensbereitschaft gemacht zu haben*.

Unsere Antwort auf die Papstnote wurde am 21. Sep-tember veröffentlicht. Sie betonte die in 26 Jahrensegensreicher Regierung bewährte Friedensliebe des Deut-schen Kaisers und den ,, werktätigen Willen zum Frieden"des deutschen Volkes; eine ,, unheilvolle Verkettung vonEreignissen" habe im Jahre 1914 einen hoffnungsvollenEntwicklungsgang jäh unterbrochen und Europa in einenblutigen Kampfplatz umgewandelt. Die Kaiserliche Re-gierung habe die in der Kundgebung des Papstes gegebenen

* Stehe die Mitteilungen von Wolffs Telegraphischem Bureau vom 13. und 17. Dezember1917. Im Nachtrag komme ich eingehender auf diese Angelegenheit zurück.

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