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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
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Interpellationen im Reichstag am 6. Oktober 1917

nicht, den Reichskanzler zu überzeugen, daß sich dieDebatte nicht im Rahmen des Wortlauts der Inter-pellation werde halten lassen und daß sein persönlichesEingreifen um der Sache und um seiner selbst willensich als notwendig herausstellen werde. Ich erreichte nur,daẞ Herr Michaelis zusagte, sich für alle Fälle währendder Sitzung in seinem Arbeitszimmer im Reichstag bereit-halten zu wollen.

Es kam, wie ich vorausgesehen hatte. Der sozialdemo-kratische Abgeordnete Landsberg begründete die Inter-pellationen in einer langen Rede. Gegen die leitendenMänner der Vaterlandspartei richtete er Vorwürfe, wieden, daß sie ,, sich von einem Eintreten für Verlängerungdes Krieges nicht dadurch abhalten lassen, daß der Kriegihnen materielle Vorteile bringt"; daß sie ungeheureMittel aufwendeten ,,, um diejenige Atmosphäre in Deutsch-land zu erzeugen, in der der richtige Kriegsgewinnler sicherst wohl fühlt"; er gestatte sich, die, Männer, derenVermögensverhältnisse durch eine Verlängerung des Kriegesgünstig beeinflußt würden ,,, zur Scham zu rufen"; es geltediesen Herren ,,, dem Volke die Parteien zu verekeln, dieerkannt haben, daß Staat und Volk eine Einheit bildenmüssen". Nach längeren Ausführungen über die Kriegs-ziele und über den Streit um die Friedensresolution desDeutschen Reichstags stellte er die Behauptung auf, daßdie Agitation der Vaterlandspartei und ähnlicher Gebildedurch die militärischen und zivilen Behörden begünstigt

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