Die Kanzlerschaft des Herrn Micheelis
konnte von Petersburg aus verkünden, daß er alle Gewaltin seine Hand genommen habe. Am Tage darauf ver-öffentlichte die neue Regierung ihr Programm, an dessenSpitze die sofortige Herbeiführung eines Waffenstillstandsan allen Fronten und der Abschluß eines ,, demokratischenFriedens" stand. Die folgenden Wochen waren mit innerenKämpfen ausgefüllt, in denen sich die Bolschewiki-regierung mit Lenin als Präsident und Trotzki alsVolkskommissar für die auswärtigen Angelegenheitenbehauptete. Am 23. November teilte Trotzki den russischenBotschaftern telegraphisch, gleichzeitig mit der Kon-stituierung des ,, Rates der Volksbeauftragten" als derneuen Regierung, den Vorschlag mit, daß alle krieg-führenden Völker sofort einen Waffenstillstand schließenund in Friedensverhandlungen eintreten möchten; alsGrundlage für die Verhandlungen wurde bezeichnet dieUnabhängigkeit der Völker und ihr Recht, ihre Ent-wicklung selbst zu bestimmen, sowie der Ausschlußvon Annexionen und Kontributionen. An demselbenTage begann die neue russische Regierung die Geheim-verträge zwischen Rußland und seinen Verbündeten zuveröffentlichen zugleich mit der Erklärung, daß dieseVerträge für das russische Volk unverbindlich seien.Das war ein deutlicher Beweis der Entschlossenheit derneuen russischen Regierung, den Weg zum Friedennötigenfalls ohne Rücksicht auf die Ententegenossenzu gehen.
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