Der Ost- Friede
Graf Czernin hatte damals die alsbaldige Mitteilung vonGegenvorschlägen und die Wiederaufnahme der Be-sprechungen im Beisein des österreichischen und desungarischen Ministerpräsidenten und sachverständigerBerater für eine nahe Frist in bestimmte Aussicht gestellt.Ich erhielt nunmehr auf meine Anfrage die Auskunft,daß die Besprechungen bisher nicht wieder aufgenommenworden seien, da Graf Czernin einen geplanten weiterenBesuch in Berlin im letzten Augenblick infolge einer Er-krankung habe aufgeben müssen. Auch auf anderemWege war eine Verständigung mit unserem Bundes-genossen über die Ostfragen und die Festlegung einereinheitlichen Marschroute für die Verhandlungen mit derrussischen Regierung nicht erzielt worden. Wir hattenalso damit zu rechnen, daß Österreich die Erreichungseines Zieles, das ehemals russische Polen für den An-schluß an die Donaumonarchie in irgendeiner Form zugewinnen, durch ein Zusammenspielen mit den Russen undeventuell auch den Polen versuchen würde, ohne uns dievon uns für nötig gehaltenen Sicherungen zu gewähren.
Die Gefahr eines Zusammenspielens der österreichischenDiplomatie mit den Russen und Polen war um so größer,als die Österreicher davon überzeugt waren, ihr polnischesZiel auf dem Wege der vorbehaltlosen Anerkennung desvon den Russen wie von den Polen gewünschten Selbst-bestimmungsrechts der Völkerschaften der besetztenrussischen Gebiete erreichen zu können; denn man war
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