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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
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Mangelnde Einheitlichkeit der Vertretung

Vertretung bei der Friedenskonferenz in Brest zum Aus-druck. Der Kaiser erteilte dem Reichskanzler das Mandatzum Abschluß der Friedensverhandlungen und bestellteHerrn von Kühlmann zum bevollmächtigten Unterhändler.Neben Herrn von Kühlmann nahm aber an den Verhand-lungen als ,, Vertreter der Obersten Heeresleitung" der Chefdes Generalstabs des Oberbefehlshabers Ost, GeneralmajorHoffmann, teil, der mitunter ausdrücklich namens derObersten Heeresleitung in die Verhandlungen eingriffund auch die Verträge als ,, Vertreter der Obersten Heeres-leitung" unterzeichnete. Dieses Verhältnis ist sowohl beiden Verhandlungen selbst von dem Chef der russischenDelegation wie auch späterhin im Reichstag beanstandetworden, zweifellos mit Recht; denn bei Friedensverhand-lungen zwischen zwei Staaten gibt es als zur Abgabe vonErklärungen und zur Unterzeichnung der Verträge be-rechtigte Personen nur bevollmächtigte Vertreter der ein-heitlichen Staatsgewalt. Es hätte nichts im Wege gestanden,daß der Kaiser neben Herrn von Kühlmann den General-major Hoffmann als Unterhändler bevollmächtigt hätte;für einen ,, Vertreter der Obersten Heeresleitung" warjedoch bei der Verhandlung und bei der Unterzeichnungder Friedensverträge kein Raum. Aber diese kleine for-male Unkorrektheit, infolge deren das Deutsche Reich beiden Verhandlungen in Brest zwiespältig vertreten war,hatte ihren tieferen Grund in der Zwiespältigkeit, diezwischen der politischen Leitung und der Obersten

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