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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
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Der Ost- Friede

unserem Lande stehe und uns die Bedingungen diktierenkönne; die Tatsachen lägen umgekehrt. Die russischeDelegation fordere für die besetzten Gebiete die An-wendung eines Selbstbestimmungsrechts, wie sie es imeigenen Lande nicht anwende. Die russische Regierungsei lediglich begründet auf Gewalt, die rücksichtslosjeden Andersdenkenden unterdrücke. Die deutsche ObersteHeeresleitung müsse eine Einmischung in die Angelegen-heiten der besetzten Gebiete ablehnen. Für uns hättenderen Völker ihrem Wunsch der Lostrennung von Rußlandbereits klar und unzweideutig Ausdruck gegeben.

Am nächsten Tag versuchte Herr von Kühlmann aufGrund einer Verständigung mit dem Grafen Czernin, dernichts mehr fürchtete als den Abbruch, die Verhandlungenwieder in ein ruhigeres Geleise zu bringen. Er lehntezwar namens der deutschen und der österreichisch-ungarischen Delegation die russischen Vorschläge als un-annehmbar ab, machte jedoch Gegenvorschläge, die demrussischen Standpunkt immerhin entgegenkamen. Vorallem stellte die neue Formulierung fest, daß Deutschlandund Österreich- Ungarn nicht die Absicht hätten, sich diejetzt von ihnen besetzten Gebiete einzuverleiben oder siezur Annahme einer bestimmten Staatsform' zu zwingen;allerdings müßten sie für sich und die Völker jenerGebiete freie Hand für den Abschluß von Verträgen allerArt behalten. Die Zurückziehung der Truppen sei zwar,solange der Weltkrieg andauere, unmöglich; aber die276