Der Ost- Friede
ausgespielt werden, daß Österreich- Ungarn gegebenenfallsmit Rußland einen Separatfrieden schließen würde, wollteman nicht die deutsche Lebensmittelhilfe gefährden;dies um so weniger, als der Vertreter der deutschen OberstenHeeresleitung damals erklärte, es sei gleichgültig, ob Öster-reich- Ungarn Frieden mache oder nicht; Deutschlandwerde unter allen Umständen nach Petersburg mar-schieren, falls die russische Regierung nicht nachgebe."Auf der anderen Seite will Graf Czernin damals HerrnTrotzki bewogen haben, die Ausführung der Absicht seinerRegierung, die russische Delegation wegen mangelnderAufrichtigkeit auf deutscher und österreichisch- ungarischerSeite abzuberufen, in Schwebe zu lassen.
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Spannung zwischen der politischenLeitung und der Heeresleitung
Das Auftreten des Generals Hoffmann am 12. Januarhat den Zustand schwerer Spannung bloẞgelegt, die sichim Laufe der Verhandlungen mehr und mehr zwischenunserer politischen und militärischen Leitung heraus-entwickelt hatte. Eine unter dem Vorsitz des Kaisersam 2. Januar im Schloß Bellevue abgehaltene Beratunghatte die Gegensätze nicht ausgeglichen, sondern nur fürden Augenblick überkleistert. Damals schon schwirrtenGerüchte über eine ernstliche Krisis durch die Luft, die
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