Der Ost- Friede
schwierigen Verhandlungen hineingegangen seien, ohnedaß vorher eine klare Verständigung zwischen unsererpolitischen und militärischen Leitung und zwischen unsund Österreich- Ungarn herbeigeführt worden sei. Darausmüsse man für künftige Verhandlungen lernen; ich könneaber nur auf das dringendste widerraten, jetzt Herrn vonKühlmann abzuhalftern. Das Wesentlichste sei, daßReichskanzler und Oberste Heeresleitung sich endlich auf-richtig und vollständig über das verständigten, was sievon den Russen wollten; nötigenfalls müsse der Kaiserein Machtwort sprechen und eine klare Parole ausgeben.
Der Kronprinz sagte mir am Schluß der zweistündigenUnterhaltung, er halte es für dringend geboten, daß ichmit Ludendorff über die Sache spräche. Als ich es ab-lehnte, meinerseits in einer Angelegenheit, die außerhalbmeines Aufgabenkreises liege, einen Schritt bei dem GeneralLudendorff zu tun, antwortete er, dann werde er Ludendorffveranlassen, sich an mich zu wenden. Auf diese Weisehatte ich Gelegenheit, noch an dem gleichen Nachmittagdem General Ludendorff meine Ansichten über Sache undPersonen darzulegen und so dazu beizutragen, daß damalsin der kritischen Zuspitzung der Brester Verhandlungenein Wechsel in der Leitung unserer auswärtigen Politikund in der Führung der Friedensdelegation vermiedenwurde.
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