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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
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Der Ost- Friede

den Staatssekretär des Innern Wallraf, erklärte sich bereit,über die politischen Forderungen der Streikenden zwarmit den sozialdemokratischen Abgeordneten, nicht abermit der ,, Streikleitung" oder dem ,, Arbeiterrat" zu ver-handeln, und hielt diesen Standpunkt auch aufrecht. Derverschärfte Belagerungszustand wurde verfügt, ein Verbotvon Versammlungen, auch von solchen der Streikleitungund des Arbeiterrats, wurde erlassen. Eine Anzahl vonAgitatoren wurde verhaftet, darunter auch der Reichstags-abgeordnete Dittmann. Die Provinz verhielt sich in derHauptsache ablehnend. Am 4. Februar war der Streikim wesentlichen zu Ende.

' Auch in Österreich, wo auf Grund der Nahrungsmittel-krisis die Streikbewegung einen größeren Umfang undeinen bedenklicheren Charakter annahm, gelang es, ihrerHerr zu werden.

Als Trotzki am 10. Februar die Verhandlungen abbrach,hatte er wohl noch eine letzte Hoffnung, daß die deutschenTruppen gegen das revolutionäre Rußland nicht mar-schieren würden. Der rasche Vormarsch belehrte diePetersburger Machthaber eines anderen. Die bisher fürunmöglich gehaltene Besetzung Petersburgs rückte miteinemmal in nahe Sicht. Sie hätte, wie die Dinge damalslagen, voraussichtlich den Zusammenbruch der Bolsche-wistenherrschaft gebracht und damit die Hoffnungenauf die Weltrevolution vernichtet. Unter diesem Druckentschlossen sich die Bolschewisten auf das Drängen

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