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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
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Österreichisch- ungarische Sonderinitiative

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Litowsk, auf deren Verhinderung es der deutschen Regierungangeblich ankam, außerhalb des Bereiches der Möglichkeitlag. Die Frage der rumänischen Dynastie und der rumä-nischen Regierung wurde von der deutschen Regierunglediglich von dem sachlichen Gesichtspunkte aus behandelt,ob eine aufrichtige Verständigung und ein dauernderFriede mit Rumänien unter der schwer kompromittiertenDynastie und der verräterischen, von Grund aus deutsch-feindlichen Regierung der Bratianu und Take Jonescuüberhaupt möglich sei. Die österreichisch- ungarischePolitik hatte es um so weniger nötig, deutsche Ver-schleppungsabsichten zu durchkreuzen, als wie GrafCzernin feststellt die deutsche Oberste Heeresleitung inRücksicht auf ihre geplante Offensive auf dem west-lichen Kriegsschauplatz auf einen raschen Abschluß mit Ru-mänien drängte. Die wirklichen Motive der österreichisch-ungarischen ,, Initiative" bei König Ferdinand mögeneinmal in gewissen dynastischen Erwägungen bestan-den haben; man sprach damals von der Befürchtung,daß die Absetzung des rumänischen Königs eine weitereErschütterung des monarchischen Gedankens zur Folgehaben und nicht ohne Rückwirkung auf die Stellung derDynastien in den Mittelmächten bleiben werde. Fernermag mitgespielt haben die alte Eifersucht Österreich-Ungarns auf Deutschlands Position in Rumänien, diedurch eine neue Regierung einer ausgesprochen deutsch-freundlichen Gruppe und durch die Einsetzung einer

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